Delmenhorst - Nachwuchs wird im Handwerk händeringend gesucht. Angetrieben von der hohen und wachsenden Baunachfrage sollen die Handwerksumsätze in diesem Jahr um immerhin bis zu zwei Prozent steigen.
Während inzwischen rund die Hälfte aller Schulabgänger an die Hochschulen und Universitäten drängt, kämpft das Handwerk zunehmend mit Nachwuchssorgen. Dies belegen Umfragen und Zahlen im Vorfeld der Internationalen Handwerksmesse, die noch bis diesen Dienstag in München stattfindet. Das vergangene Ausbildungsjahr haben die Betriebe in der Region Delmenhorst und südlicher Teil des Landkreises Oldenburg abgeschlossen, obwohl noch eine ganze Reihe freier Lehrstellen unbesetzt geblieben sind. Und für das neue Ausbildungsjahr sieht es auch nicht anders aus: „Unsere Region ist für junge Menschen ein Chancen-Paradies“, so Kreishandwerksmeister Harald Mausolf.
In der Praxis haben die Betriebe jedoch vor allem mit Imageproblemen ihrer Gewerke zu kämpfen: „Wir stellen fest, dass viele junge Leute, die mal ins Handwerk reinschnuppern und etwas mit ihren eigenen Händen geschaffen haben, gern im Handwerk weiterarbeiten“, sagt auch sein Stellvertreter, Uwe Kliemisch aus Delmenhorst.
Auch der Mangel an betrieblich ausgebildeten Fachkräften macht sich verstärkt in den Betrieben bemerkbar. Schon jetzt könnte das Handwerk in der Region viele Fachkräfte zusätzlich beschäftigen, doch diese gibt es auf dem Arbeitsmarkt nicht. Hinzu kommen diverse Betriebe, die in den kommenden Jahren einen Nachfolger suchen. „Wir haben zu wenige und zu wenig gut ausgebildete Handwerker“, stellt Kreishandwerksmeister Mausolf fest. Wer im Handwerk arbeiten wolle, habe gute Aufstiegs- und Einkommenschancen. „Selbst wenn es mal einen Konjunktureinbruch geben sollte, wird die Lage auf längere Sicht so bleiben“, sagt er.
Dem Fachkräftemangel kann der Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaft Delmenhorst/Oldenburg-Land, Hartmut Günnemann, aber auch etwas Gutes abgewinnen: Wenn die Fachkräfte rarer würden, so würden Handwerksleistungen auch teurer, die Löhne höher und damit die Berufe wieder attraktiver. „Angesichts der vielfältig offenen Arbeits- und Lehrstellen lohnt sich immer wieder auch einmal ein Blick auf die Stellenbörse der Kreishandwerkerschaft“, so Günnemann.
