Delmenhorst - Wenn Kris Cordes anderen jungen Leuten erzählt, welchen Beruf er gerade erlernt, fragen die meisten noch einmal nach, weil sie glauben, sich verhört zu haben. Der 18-Jährige macht nämlich gerade eine Ausbildung zum Bestatter im Betrieb seiner Eltern. „Den meisten fällt dann bei meinem Nachnamen ein, dass es da ein Bestattungsunternehmen gibt, das genauso heißt“, erzählt Cordes.
Die nächste Frage laute dann immer: „Was genau macht ein Bestatter eigentlich?“ Der Beruf sei abwechslungsreich, sagt Cordes: „Zu den Aufgaben gehört natürlich die Betreuung der Angehörigen und die Planung der Bestattung. Für die Trauerfeier muss alles dekoriert werden und wir gestalten die Traueranzeigen.“ Der angehende Bestatter mag seinen Job: „Es gibt eben viel Abwechslung. Einerseits hat man die ganz normalen Büroarbeiten, dann kann man bei Anzeigen kreativ werden und bei den Bestattungen kommt man raus auf den Friedhof.“ Und die Branche wandelt sich: „Die Leute geben weniger für Bestattungen aus, als früher. Dafür gibt es mehr ausgefallene Bestattungsangebote. Die Asche kann zum Diamanten gepresst oder verstreut werden.“
Der Teil seiner Arbeit, der viele abschrecken dürfte, ist das Herrichten der Toten. „Ich wasche die Verstorbenen und ziehe sie an“, erklärt der Azubi im zweiten Lehrjahr.
Ist das nicht manchmal unheimlich, mit Toten zu arbeiten? „Das werd’ ich wirklich oft gefragt. Aber ehrlich gesagt hab’ ich da gar keine Berührungsängste. Ich bin damit aufgewachsen. Es ist also nichts Neues für mich“, erklärt Cordes. Schon vor seiner Ausbildung habe er manchmal im Betrieb mitgeholfen und etwas Geld verdient. „Mag sein, dass es da anfangs Berührungsängste gab, aber wenn, dann kann ich mich daran schon nicht mehr erinnern.“ Für ihn ist der Beruf so normal, dass er auch mit Freunden an den Särgen vorbei ins Hinterhaus geht. „Wenn jemand Neues dabei ist und wegen der Särge merkwürdig guckt, sag’ ich immer: ,Keine Angst, dass sind nur Holzkisten. Die tun nix‘“.
Empfindlich sein sollte man für diesen Beruf aber auf gar keinen Fall. „Vor allem, wenn Menschen bei Unfällen ums Leben gekommen sind, kann die Arbeit psychisch sehr belastend sein. Ich denke das Schlimmste ist, wenn man einen schweren Unfall mit vielen Toten hat“, überlegt er.
Bestatter ist also kein Job für Jedermann. Psychische Stabilität und die richtige Portion Einfühlungsvermögen bei den Angehörigen sind ausgesprochen wichtig.
Und noch eine unverzichtbare Eigenschaft sollte jeder angehende Bestatter mitbringen, meint Cordes: „Man muss auf jeden Fall Anzüge mögen.“
