Delmenhorst - Alle Delmenhorster Landtagskandidaten auf einmal erleben konnten die Besucher einer Veranstaltung des Deutschen Gewerkschaftsbundes am Mittwochabend im Haus der Arbeiterwohlfahrt an der Cramerstraße. Unter dem Motto „Wir fragen – Kandidat/innen antworten“ hatte der DGB Björn Gottschalk (SPD, Jahrgang 71), Annette Schwarz (CDU, Jg. 62), Marlis Düßmann (Grüne, Jg. 46), Katja Beyer (Piraten, Jg. 84), Axel Konrad (unabhängig, für die FDP, Jg. 80) und Vedat Sevimli (Die Linke, Jg. 73) zu den Themenkomplexen Bildung und Ausbildung, Veränderung der Arbeitswelt und Finanznot der Kommunen befragt. Moderiert wurde die Veranstaltung von der Sozialwissenschaftlerin Irene Veenhuis. Alle Teilnehmer hatten die gleiche Redezeit.

Fazit knapp zwei Stunden später: Gottschalk hatte beim DGB ein Heimspiel. Er überzeugte durch Redegewandtheit und politische Standpunkte hinsichtlich Schul-, Arbeitsmarkt- und Finanzpolitik, die denen des Gastgebers nahe waren. Und wiederholte, was er bei jedem Auftritt sagt: „Die SPD hat Fehler gemacht. Aber wir sind lernfähig.“

Schwarz vertrat die schul- und sozialpolitische Linie der Landesregierung und überraschte mit ihrer Forderung nach einem Steuerabkommen mit der Schweiz. Der Forderung nach einem gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 Euro und Sozialversicherungspflicht für Minijobs erteilte sie eine Absage, weil dies kleine Betriebe gefährdete und es politisches Ziel sein müsste, mehr Bezieher von Transferleistungen in Arbeit zu bringen. Eine Verarmung der Bevölkerung vermag Schwarz nicht zu erkennen: „In Griechenland und Spanien, da sind sie wirklich arm, aber nicht in Deutschland.“

Düßmann spricht sich für eine Umverteilung der Mittel zugunsten einer größeren sozialen Gerechtigkeit und Chancengleichheit aus: „Das Geld ist vorhanden. Wir müssen es nur dort ausgeben, wo es gebraucht wird.“ So wie die SPD fordert auch die Grüne einen Mindestlohn und einen Schluss der Verschuldung: „Wir können nicht permanent über unsere Verhältnisse leben.“

Auch Beyer ist für einen Mindestlohn, aber auch für ein bedingungsloses Grundeinkommen, und teilt die SPD-Forderung nach einer Stärkung der Gesamtschulen. Die seien „ein guter Kompromiss zwischen individueller Förderung und dreigliedrigem Schulsystem“. Beyer weiter: „Die DGB-Forderungen decken sich mit unserem Programm.“

Konrad überzeugte durch Ehrlichkeit: „Ich bin kein Finanzexperte“, sagte er zur Frage, wie man den Bildungsbereich finanziell besserstellen könne. Unzufriedene Bürger fordert er auf, in den Parteien mitzuarbeiten statt auf die Politik zu schimpfen. Statt an der Steuerschraube zu drehen sollten die Ausgaben gesenkt und Geld zielgerichteter eingesetzt werden.

Relativ wortkarg gab sich der Linke-Kandidat Sevimli. Er will die Einführung einer Vermögenssteuer, einen gesetzlichen Mindestlohn von zehn Euro und fordert die Abschaffung der Kindergartengebühren.