• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • nordbuzz
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
 
NWZonline.de Ausflugsplaner

Naturparadies Langwarder Groden: Zu Besuch in Neptuns Vorgarten

29.08.2020

Butjadingen Susanne Koschel, Rangerin im Nationalpark Wattenmeer, nimmt ihr Fernglas zur Hand und lässt den Blick über den Langwarder Groden schweifen. Unglaublich, wie sich diese Landschaft innerhalb kürzester Zeit verändert hat! Seit der Vordeich im Jahr 2014 zum Meer hin geöffnet wurde, kehrt hier ein großartiges Stück Natur zurück: Die Salzwiese – Neptuns „Vorgarten“ und Hotspot der Artenvielfalt. Auch Besucher können diesem Biotop beim Wachsen zusehen.

Jetzt, am frühen Morgen, sind erst wenige Spaziergänger unterwegs. Für mich eine gute Gelegenheit, die Rangerin auf ihrer Tour zu begleiten. Blaue Dienstjacke, Käppi und Pferdeschwanz – das muss sie sein. Seit fünf Jahren gehört die 47-Jährige zu den „freundlichen Gesichtern des Nationalparks vor Ort.“

Ihr Gebiet umfasst die Festlandküste rund um Butjadingen. Und es gibt viel zu tun. Von Kontrollgängen und Monitoring über Biotop- und Artenschutz bis hin zu Führungen und Öffentlichkeitsarbeit. Das Projekt Langwarder Groden, so erklärt sie mir, sei eine Ausgleichsmaßnahme für den Bau des Jade-Weser-Ports. Ziel sei die Renaturierung von Salzwiesen auf einer Fläche von mehr als 140 Hektar.

Wir starten unseren Rundgang am Langwarder Hauptdeich. Hier, im höher gelegenen Bereich des Grodens, wird noch extensive Weidehaltung betrieben. Doch je weiter wir ins Schutzgebiet vordringen, desto deutlicher wird der Einfluss von Ebbe und Flut. Die Grünflächen sind von Pütten und Rinnen durchzogen. Wo eben noch Süßgräser überwogen, entdecken wir Salzwiesenpflanzen wie Strandmelde, Andelgras oder Portulak. Dazwischen blüht Strandflieder.

Spannender Wandel

Wer genau hinschaut, sieht die feinen Salzkristalle an den Blättern. Die Überdosis Salz werde von der Pflanze aktiv über Drüsen ausgeschieden, bemerkt die Rangerin. Jedes Lebewesen hier habe seine eigene Strategie, um mit dem salzigen Element zurechtzukommen. So auch das Volk der Insekten. Darunter echte Spezialisten wie der Prächtige Salzkäfer oder Arten, die so schräge Namen tragen wie die Meerstrandwegerichgallrüsselkäferschlupfwespe.

„Es war total spannend, den Wandel zu beobachten“, begeistert sich Koschel, die alles genau dokumentiert, „bereits ein Jahr nach der Deichöffnung hatten wir hier ganz klassische Meeresökosysteme.“ Typische Meeresbodenbewohner stellten sich ein, der sogenannte „Benthos“. Ein gefundenes Fressen auch für die zahlreichen Wat- und Wiesenvögel, die an den Wasserrändern nach Nahrung suchen.

Nicht umsonst gilt der Langwarder Groden inzwischen als Hotspot für „Vogelgucker“. Hier brüten jetzt Austernfischer, der Große Brachvogel, Rotschenkel, Wiesenpieper, Kiebitz und Uferschnepfe. Sogar den seltenen Kampfläufer und die Sumpfohreule habe sie schon gesehen, erzählt die Naturschützerin. Ganz zu schweigen von den großen Zugvogel-Trupps, die im Herbst und Frühjahr auf den Salzwiesen rasten.

Lebende Salzstangen

Inzwischen sind wir am wohl spektakulärsten Teil des Entdeckerpfades angekommen. Ein 400 Meter langer Bohlenweg schwingt sich vom Prieltief hinüber bis zum Vordeich. „Bei Flut steigt das Wasser fast bis zur Oberkante des Weges“, erfahre ich. Tolle Vorstellung, über das Wasser zu laufen.

Doch auch jetzt, bei Niedrigwasser, bieten sich faszinierende Einblicke und Perspektiven. Direkt unter unseren Füßen tut sich das rohe Watt, der Meeresboden, auf. Seidig glänzt der Schlick in der Sonne, kleine und große Wasseradern zeichnen fantastische Linien ins Watt. Grüne Queller, die Pioniere der Verlandungszone, erobern das Areal. „Probieren Sie mal!“ Ich knipse mit den Fingern ein Stückchen ab. Hm, knackig und salzig, gar nicht so schlecht. „Kinder nennen den Queller auch lebende Salzstange“, die Rangerin schmunzelt.

Es geht über den Hauptpriel. Bei Hochwasser ein reißender Strom. Meterdicke Abbruchkanten zeugen von der Kraft der Naturgewalten. Auf der 35 Meter langen Brücke warnt ein Schild, hier besser nicht ins Wasser zu fallen. Das könnte selbst guten Schwimmern gefährlich werden.

Ein Seehund sonnt sich

Es wird Zeit für den Rückweg. Langsam läuft die Flut wieder auf. Die Priele füllen sich, der Wasserpegel am Bohlenweg steigt. Bald schon wird er die untere Verlandungszone bedecken. Und dann erwartet uns noch eine echte Überraschung: Da sonnt sich doch tatsächlich ein Seehund im Schlick!

Wir blicken zurück. Diese Ruhe. Diese Weite. Ein leichter Wind streicht über die glitzernde Ebene. Austernfischer stochern im Schlick nach Muscheln. Und sitzt dort ein Rotschenkel, der Charaktervogel des Grodens? Im Grunde seien die Kompensationsziele bereits erreicht, stellt die Rangerin fest. Das Meer hat sein ureigenes Terrain zurückerobert. Die Salzwiese breitet sich aus. Ein Geschenk für die Natur. Und für alle Menschen, die in dieser Zwischenwelt auf Entdeckungsreise gehen.

Der Naturerlebnispfad im Langwarder Groden wurde 2020 als „Deutschlands schönster Wanderweg“ in der Kategorie „Touren“ nominiert. Er ist 6 Kilometer lang und führt durch 140 Hektar Salzwiesen-Entwicklungsland. Zahlreiche Info-Tafeln, Aussichtspunkte und eine Vogelbeobachtungshütte liegen am Weg.

Das Nationalpark-Haus Museum Fedderwardersiel bietet regelmäßig Führungen an. Info: Tourismus-Service Butjadingen, Strandallee 61, 26969 Butjadingen.


     www.butjadingen.de 
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.