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NWZonline.de Nachrichten Kultur Ausstellungen & Kunst

Auf den Spuren eines Pioniers

01.04.2017

Ahrenshoop Der Oldenburger Landschaftsmaler Paul Müller-Kaempff baute sich Jahr 1892 in dem kleinen Dorf Ahrenshoop ein Haus. Normalerweise wäre dieser Umstand längst vergessen, nichts und niemand würde daran erinnern. Doch Müller-Kaempff bekam Gesellschaft. Ein Künstler nach dem anderen folgte seinem Beispiel, die meisten aus Berlin. Zwei Jahre später gründete Müller-Kaempff zusammen mit seinem Kollegen Friedrich Wachenhusen eine Malschule. Nun fanden auch viele Künstlerinnen den Weg nach Ahrenshoop, zumal ihnen andere berufliche Möglichkeiten oft verbaut waren.

Bild des Friedens

Der Oldenburger Landschaftsmaler war nicht der erste Künstler im Ort, aber der erste, der sich dauerhaft niederließ. Deshalb gilt das Jahr 1892 als Gründungsjahr der Künstlerkolonie.

Ohne Paul Müller-Kaempff wäre Ahrenshoop „ein bisschen ärmer“, sagt Bürgermeister Hans Götze und freut sich über prominente Gäste wie Joachim Gauck oder Angela Merkel, die es genießen, dort nicht sonderlich beachtet zu werden. Die Bundeskanzlerin ließ es sich auch nicht nehmen, das Wirken von Müller-Kaempff in einem Grußwort zum 125-jährigen Bestehen der Künstlerkolonie zu würdigen. Ahrenshoop liegt in ihrem Wahlkreis. „Ich komme sehr gern hierher.“

So geht es vielen. Ahrenshoop ist ein Mythos. Entsprechend hoch sind die Erwartungen, wenn man sich dem 700-Seelen-Dorf auf dem schmalen Landstreifen zwischen Ostsee und Bodden zum ersten Mal nähert. Wer allerdings nur mal kurz durchs Dorf huscht und sich vielleicht noch ärgert, dass er seinen Parkplatz bezahlen muss, der wird Ahrenshoop nicht verstehen. Nur wer lernt, diesen Ort zu lesen, der lernt ihn auch zu lieben. Dafür braucht man Zeit und am besten noch einen kundigen Führer wie Hans Götze. Seit 1975 lebt er in Ahrenshoop, nach 18 Jahren auf See, der Elbsegler erinnert daran. Seit 1994 ist er ehrenamtlicher Bürgermeister.

Paul Müller-Kaempff ist nicht ganz unschuldig daran, dass Götze in diesen Tagen etwas mehr zu tun hat. Er war natürlich dabei, als die Jubiläumsausstellung Kunstmuseum Ahrenshoop eröffnet und am gleichen Tag der neue Kunstpfad eingeweiht wurde. Er führt zu jenen Stätten, an denen zentrale Werke Ahrenshooper Künstler entstanden sind.

Dazu zählt auch das Bild „Weiter Blick über das Dorf Ahrenshoop“, das Müller-Kaempff 1890 anfertigte. Ein Jahr zuvor war er bei einer Wanderung eher zufällig auf Ahrenshoop gestoßen. Gemeinsam mit seinem Malerfreund Oskar Frenzel näherte er sich an der Steilküste dem Dorf. „Wir hatten von seiner Existenz keine Ahnung und blickten überrascht und entzückt auf dieses Bild des Friedens und der Einsamkeit“, notierte er knapp drei Jahrzehnte später.

Müller-Kaempff hatte bei dieser ersten Begegnung noch einen freien Blick auf das Dorf. Damals gab es noch nicht den „Millionenhügel“ (Volksmund), eine Siedlung mit Wochenendhäusern für Ärzte und Wissenschaftler der DDR, „damit sie das Land nicht verlassen“. Damals gab es auch noch nicht die drei Pappeln, „die eigentlich gar nicht mehr da sein dürften, weil sie ihre Lebensdauer längst überschritten haben“, so Götze, die aber heute zu den beliebtesten Fotomotiven der Touristen zählen.

Reetgedeckte Häuser

Der Grenzweg, der sowohl Mecklenburg und Vorpommern als auch das Fischland und den Darß voneinander trennt, führt geradewegs in die Ortsmitte. Das Gros der Häuser ist reetgedeckt, selbst die Toilettenhäuschen „sind im „ortstypischen Stil gebaut“. Dazwischen Villen im Jugendstil, erbaut von Künstlern, die sich hier niederließen. „Eine Mischung, die Ahrenshoop architektonisch auszeichnet“, sagt Götze.

Wer Ahrenshoop kennenlernen möchte, der sollte im Herbst kommen und sich am Strand gegen den Wind stemmen, empfiehlt Götze. Dann steht die Sonne tief, die Farben leuchten, die Kraniche ziehen. Im Sommer dagegen kann es eng werden. 70 000 Gäste pro Jahr besuchen den Ort. Paul Müller-Kaempff begegnet ihnen vor allem im Kunstmuseum und im „Kunstkaten“, einem Ausstellungs- und Veranstaltungshaus, das er zusammen mit dem Maler Theobald Schorn erbaut hat, heute eine der ältesten Galerien in Norddeutschland.

Die Malschule „St. Lucas“, in der Müller-Kaempff bis 1914 Kurse anbot, ist heute ein Künstlerhaus, in dem Stipendiaten aus ganz Europa leben und arbeiten. Und in seinem Wohnhaus in der Dorfstraße 18, zu DDR-Zeiten eine Sparkassen-Filiale, wird heute modische Kleidung verkauft. Müller-Kaempff hat es 1922 verkauft. Ein Jahr später fraß die Inflation seine ganzen Ersparnisse. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs zog sich Müller-Kaempff nach Berlin zurückgezogen, seine Werke waren kaum noch gefragt. Am 5. Dezember 1941 starb er im Alter von 80 Jahren in Berlin.

Paul Müller-Kaempff wurde am 12. Oktober 1861 am Theaterwall in Oldenburg geboren. Er besuchte das Gymnasium, ging 1822 an die Kunstakademie in Düsseldorf und studierte danach in Karlsruhe und Berlin. 1904 gehörte Müller-Kaempff zu den Gründungsmitgliedern des Oldenburger Künstlerbundes. 1905 gewann er bei der Nordwestdeutschen Kunstausstellung in Oldenburg den 1. Preis beim Plakatwettbewerb. Im gleichen Jahr wurde ihm vom Großherzog die Oldenburgische Staatsmedaille und ein Jahr später auch der Professorentitel verliehen. Ab 1910 gehörte er dem Oldenburger Kunstverein an.

Die Ausstellung „Licht, Luft, Freiheit – 125 Jahre Künstlerkolonie Ahrenshoop“ ist bis zum 8. Oktober im Kunstmuseum Ahrenshoop (Weg zum Hohen Ufer 36) zu sehen. Geöffnet: täglich 11–18 Uhr. Broschüren zum Kunstpfad und zu den Wirkungsstätten der Künstler gibt es bei der Kurverwaltung Ahrenshoop (Kirchnersgang 2).


     www.ostseebad-ahrenshoop.de 
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