Warschau - Der deutsche Künstler Gregor Schneider zeigt in Warschau Bauschutt aus dem Geburtshaus von Hitlers Propagandaminister Joseph Goebbels. Lastwagenweise hat der 45-Jährige die Trümmer aus Mönchengladbach-Rheydt in die im Krieg schwer zerstörte polnische Hauptstadt gebracht. Die eigenwillige Ausstellung „Unsubscribe“ (Abmelden) öffnete am Freitagabend mit einer Vernissage in der Nationalgalerie Zacheta.
Die Kuratoren nennen die Überbleibsel des Hauses, in dem Goebbels 1897 geboren wurde, „schweigende Zeugen der Geschichte“. Darunter sind Dachbalken, Ziegelsteine und Handpuppen. Völkisches Schrifttum, das Schneider auf dem Dachboden fand, hängt an Nylonfäden von der Decke. Ein Video zeigt den Besuchern, wie das Gebäude in Nordrhein-Westfalen entkernt worden war.
Vor den klassizistischen Säulen der Warschauer Galerie standen zudem Lastwagen mit dem restlichen Bauschutt. Sie sollten drei Tage bleiben und dann nach Berlin weiterfahren. Die Wahl Warschaus als Ort der Ausstellung (bis 1. Februar) galt von Anfang an als umstritten. Die Nationalsozialisten hatten im Zweiten Weltkrieg große Teile der Stadt dem Erdboden gleichgemacht.
Doch die befürchtete Empörung in der Öffentlichkeit blieb zunächst aus. Eher schien die Kunstaktion auf Unverständnis zu stoßen. Schneider wolle aufzeigen, dass Goebbels in einem gewöhnlichen Durchschnittshaus aufgewachsen sei, versuchte Kuratorin Anda Rottenberg das Werk zu erklären. Schneider selbst hat das Haus in Interviews als einen Täterort bezeichnet. Es sei zugleich ein „blinder Fleck“ in der Geschichtsaufarbeitung von Goebbels“ Heimatstadt.
Der für provokante Kunstaktionen bekannte Biennale-Preisträger Schneider hatte das Goebbels-Geburtshaus in Mönchengladbach-Rheydt im vorigen Jahr gekauft. Damit wollte er verhindern, dass es zu einem Wallfahrtsort für Neonazis wird. Als Reichspropagandaminister war Goebbels einer der bekanntesten Repräsentanten des NS-Terrorregimes.
