BREMEN - Den Wachsmalstift auf und neben dem Papier völlig aufreiben, mit dem Bleistift Traumfiguren kreieren oder mit Wasserfarben neue Farben und Formen entdecken – so weit sind Kinder in der Regel gar nicht von der grafischen Kunst entfernt. Und doch bleibt sie ihnen oft fremd.

Das möchte die Kunsthalle Bremen ändern. In ihrem neuen Buch „Kunst auf Papier (nicht nur) für Kinder“ wird erklärt, welche Kunstformen in den Bereich der Grafik fallen und wie sie funktionieren.

Dabei hilft Albrecht Dürers berühmtes „Rhinocerus“. In knalligem Pink begleitet es seine jungen Leser durch das aufwendig und bunt gestaltete Buch. Auf beinahe jeder Doppelseite lugt es aus den Ecken oder blickt um die Seitenränder, um Details oder interessante Anekdoten den erklärenden Texten hinzuzufügen.

Anhand exemplarischer Bilder berühmter Künstler wie Caspar David Friedrich, Käthe Kollwitz, Andy Warhol oder Pablo Picasso erläutert das Rhinocerus die verschiedenen grafischen Techniken mit Hilfe von Skizzen. Doch es gibt seinen Lesern nicht alles vor. „Schau doch mal rein...“, lockt es die Kinder, damit sie sich auch in der Kunst trauen, noch einmal ganz genau hinzusehen.

Mit kleinen Rätseln will das farbenfrohe Nashorn die vielleicht zukünftigen Kunstliebhaber neugierig auf versteckte und witzige Details in den Bildern machen. Manche Fragen und Knobeleien lösen sich beim Vor- und Zurückblättern auf. So erleben die jungen Leser die Kunst ganz aktiv.

Dazu passen die lebensnah formulierten Texte zu den Bildern. Sie wirken nie hochtrabend, unverständlich oder weltfremd. Im Gegenteil: Die Erklärungen greifen auf Begriffe und Vergleiche aus dem Alltag der heutigen Jugend zurück. So wird zum Beispiel beim japanischen Farbholzschnitt der direkte Vergleich zum Manga gezogen. Ein ausklappbares Künstler-Register zu den zuvor behandelten Grafiken rundet das Buch ab.

Der Zusatz „(nicht nur)“ im Titel macht es schon deutlich: Auch für erwachsene Kunst-Laien kann das Buch der Einstieg in die Welt der Grafik sein. Denn so kinderleicht und verständlich die Erklärungen sind, die Texte sind nie albern und zeigen, dass die Autoren ihre Leser ernst nehmen – die kleinen und die großen. Ein Buch für die ganze Familie.