DELMENHORST - Als „Ausstellung in der Ausstellung“ begann am gestrigen Sonntag in der Turbinenhalle auf dem Nordwollegelände eine Präsentationswoche von Gebetsteppichen. 14 Frauen haben in einem interkulturellen Patchwork-Kurs der Volkshochschule unter Anleitung von Hilke Eckmann und Ayse Kilic rund 100 Stunden daran genäht. Hans-Hermann Precht vom Industriemuseum, in dem derzeit die Sonderausstellung „Quilt Art Selectes“ gezeigt wird, sieht in der gleichzeitigen Präsentation der Teppiche die Möglichkeit zur Wiederaufnahme des Dialogs mit den türkischen Mitbürgern.

„Wir starteten mit zehn Frauen und hatten auch zehn verschiedene Wünsche“, erläuterte Hilke Eckmann während der Eröffnung die Anfänge. Einige wollten Hosen, Taschen oder Decken fertigen. Schließlich einigten sie sich auf Gebetsteppiche. „Farbe und Motiv hat jede selbst ausgesucht“ schilderte Projektkoordinatorin Riako Napitupulu. Gut aussehen sollen sie und haltbar sein. Für alle gilt: sie sollen ein sichtbares Fuß- und ein Kopfeil haben, was sich manchmal durch Spitzen andeutet. Schließlich werden alle Teppiche nach der einwöchigen Ausstellung als Gebetsteppich genutzt. Darauf verweist auch die Ausrichtung der Teppiche gen Mekka in der Turbinenhalle.

Für die Teilnehmerinnen des Kurses stand laut Ayse Kilic jedoch nicht das Patchworken und Quilten im Vordergrund. „Wir erzählen und lachen viel“, berichtet Riako Napitupulu. Die Frauen schätzten diesen Freiraum einmal in der Woche, in dem sie fernab von häuslichen Verpflichtungen ins Gespräch kommen und neue Freundschaften knüpfen können. „Die Zeit ist für uns alle sehr wertvoll“, gestand Riako Napitupulu in ihrer Eröffnungsrede.

Ob der Kurs „Kultiges Treffen mit bunten Stoffen“, der außerhalb der Ferienzeiten an jedem Dienstagnachmittag drei Stunden in der Kerschensteiner Berufsschule am Wiekhorner Heuweg stattfindet, eine Zukunft hat, ist laut Hilke Eckmann noch offen. „Ich höre bald auf“, kündigte die Dozentin am Sonntag an. Zuvor erläuterte sie den Gästen den Unterschied zwischen Patchworken und Quilten und machte auf die teilweisen filigranen Techniken aufmerksam. „Ein Teppich wurde vollständig mit der Hand genäht“, erklärte sie. Zwar könne jeder diese Handarbeit erlernen, „aber Technik und Sorgfalt sind erforderlich.“

Die Präsentation der Gebetsteppiche ist bis zum 15. Januar in der Turbinenhalle.