Delmenhorst - Ein dicker Hund mit weiß-blauem Fell hält Wache vor der Tür der Delmenhorsterin Dagmar Erlebach. „Den habe ich aus einem alten Kanister, Haarspraydosen und Pappmaché gemacht“, erzählt die Künstlerin, die am 24. Juni mit dem Preis für Bürger- und Umweltengagement der Stadt ausgezeichnet wird. Bei der Feier in der Markthalle werden dann auch Exponate von ihr ausgestellt.
Das besondere an ihren Werken: Sie sind aus Materialien erschaffen, die andere wegwerfen würden. So wie der Fisch, den sie den „freundlichen Herrn von Stachel“ nennt. Seine Haut besteht auf der einen Seite aus Eierschalen und Kronkorken, auf der anderen Seite zeigt er ein Innenleben aus Plastik. Er steht in ihrem Wohnzimmer.
Kritische Themen
Dagmar Erlebach hat mehrere Meeresbewohner kreiert, darunter einen Fisch aus einer Klobrille und einen Pinguin. Sie sollen bei der Preisverleihung zu sehen sein, um auf die Verschmutzung der Ozeane hinzuweisen.
„Ich habe vor zwei Jahren wieder zu meiner Kreativität gefunden“, erzählt die 55-Jährige, die in ihrer Jugend Kunst studieren wollte. Auslöser war, dass sie 2012 Arbeit als Betreuungskraft in einem Altenheim aufgenommen hatte. Dort bastelte sie vor allem mit Demenzerkrankten. Daraus wurde mehr als ein Hobby.
Doch Geld will Dagmar Erlebach nicht mit ihren Werken verdienen. Sie verschenkt sie an Freunde oder hat sie als Mitbringsel dabei, wenn sie jemanden besucht. So hat sie Lichtergirlanden aus Plastikflaschen und alten Puddingbechern geschaffen.
Aus Tetrapacks stellt sie Vasen, Taschen und Untersetzer her. Alte Fahrradschläuche nutzt sie, um daraus Taschen und auch einen Badvorleger zu basteln.
Vom 14. bis 19. Juli stellt sie im Jute-Center einige ihrer Werke aus. Dann will sie auch Workshops anbieten, in denen sie anderen zeigt, wie sich aus Dingen, die sonst in den Müll wandern, Nützliches und Dekoratives machen lässt.
Den finanziellen Überschuss aus dieser Veranstaltungswoche will sie, wenn ihre eigenen Kosten gedeckt sind, spenden. „Ich will das nicht kommerziell machen“, betont sie.
Große Unterstützung
„Ich wache nachts auf, und habe auf einmal eine Idee, was ich machen könnte, das ist schön“, erzählt sie. „Dann kann ich meistens aber nicht mehr einschlafen, das ist weniger schön.“ Überhaupt sei ihre Begeisterung für ihre Arbeit nur möglich, weil ihr Ehemann Reiner so ein ruhiger Typ sei.
Auch sonst ist die Delmenhorsterin sehr engagiert: Sie ist Kirchenälteste in der Emmausgemeinde. Auch dort hat sie bereits Werke von sich ausgestellt.
