Delmenhorst - Ein Abschied ist auch immer mit Trauer verbunden. So auch bei Annett Reckert, Leiterin der Städtischen Galerie Delmenhorst, als sie an diesem Sonntag zum letzten Mal Besucher durch die Ausstellung „Ab in die Ecke“ führte. Nicht nur weil es sich bei der Ausstellung um ein „Traumprojekt“ von Reckert handelt. „Ich habe diese Idee bereits seit acht Jahren mit mir herumgetragen“, erzählt die Galerie-Leiterin über die lange Zeit, in der sie mit sich und der Idee gerungen hatte. Bis sie schließlich in einem Gespräch mit der Stuhrer Künstlerin Nadine Städler, deren titelloses Werk auch praktisch den Nukleus der Ausstellung bildete, die Entscheidung traf, ihre Idee in die Tat umzusetzen.

Doch nicht nur aus diesem Grunde betrachtet Annett Reckert ihre letzte Führung auch mit einem weinenden Auge. „Viele der Kunstwerke hier sind pflegebedürftig“, erklärt Reckert und blickt dabei zu einem Apfel empor, den die Berliner Künstlerin Stella Geppert im Stuckwerk des Foyers platziert hat und der alle drei Tage ausgetauscht werden muss. „Durch die Pflegebedürftigkeit entsteht auch eine Beziehung zu den Werken“, so Reckert.

Es ist Kunst, die sich dem Besucher nicht auf den ersten Blick erschließt, die erarbeitet werden muss. Man müsse eben „um die Ecke denken“, schließt Reckert sprachlich den Kreis. Doch das Konzept ging auf. So ist Reckert mit der Resonanz seitens des Publikums zufrieden, das zahlreich erschienene Fachpublikum aus Künstlern und Kuratoren eingeschlossen. Selbst eine Kuratorin aus dem litauischen Riga war gekommen, um das Konzept der Ausstellung unter die Lupe zu nehmen.

Schließlich ist die Ausstellung nicht nur für die Besucher interaktiv, sie schließt auch die Räumlichkeiten des Hauses Coburg fest mit ein, die so zum Bestandteil der Ausstellung werden. „Es zeigt, wie die Künstler das Haus sehen“, bringt es Annett Reckert auf den Punkt.

Quasi als Abschiedsgeschenk haben Reckert und ihre Kolleginnen auch den aufwendigen Ausstellungskatalog vollendet, der nun zum Verkauf angeboten wird. Dabei ist der Katalog Kunstwerk an sich und wird - betrachtet man aufmerksam den Buchrücken – zur konsequenten Fortsetzung des Ausstellungsthemas.

Nachdem am Sonntag dann der letzte Besucher das Haus Coburg verlassen hat, wird es für drei Wochen gesperrt werden. Dann erfolgt der Aufbau der nächsten zwei Ausstellungen, darunter die eines echten „Weltstars“, des Fotografen Anton Corbijn. In der Remise wird gleichzeitig die Ausstellung „Perfect Relay“ des ehemaligen Delmenhorster Stadtkünstlers Kyungwoo Chun gezeigt. „Beide Ausstellungen werden sich gegenseitig thematisieren“, blickt Annett Reckert schon einmal freudig in die Zukunft.