Oldenburg - Die Nachahmung der Rose ist eine Rose ist... nur die Nachahmung einer Rose? Die Bildwelt von Raphaela Simon kann nichts dafür, dass in diesem Schaltjahr Valentinstag und Aschermittwoch auf einen Tag fallen. Valentin als Heiliger der Zärtlichkeit trifft auf das Bußritual der christlichen Kirchen mit strikter Abstinenz – das Hochgefühl führt ins Dilemma. Ist vielleicht doch nichts so, wie es vorgibt zu sein? In diesem Spannungsfeld bewegt sich das Œuvre von Raphaela Simon. Die neue Ausstellung im Oldenburger Kunstverein (OKV), die am 16. Februar im Museum am Damm eröffnet wird, weckt großflächige Gefühle und spielt gleichzeitig mit Empfindungen und Sehgewohnheiten.

Wieder einmal hat Gertrude Wagenfeld-Pleister, die Vorsitzende des Kunstvereins, ein Händchen bei der Auswahl für ihren „Talentschuppen“ bewiesen - wir erinnern uns noch gut an Grace Weavers Soloschau „Little Sister“ Ende 2019, die von Oldenburg aus durchstartete. Bei der 1986 in Villingen geborenen Raphaela Simon führt die Ausstellungsfährte zu erfolgreichen Präsentationen in Berlin, Düsseldorf, London, Los Angeles und New York. „Sie wählt Ideen über einfache Geometrien (und Streifen) von Peter Halley, Frank Stella und Agnes Martin aus, filtert sie aber durch ihre eigenen Vorstellungen von Witz, Maßstab, Materialien und Abkürzungen“, heißt es in einer Rezension der New York Times im Jahr 2018.

So eine Anerkennung hebt, hat bei Raphaela Simon den kreativen Output allerdings eher befördert. Die junge Mutter hat ihr Kraftzentrum in Kleinmachnow vor den Toren Berlins ausgebaut. In der nicht einfachen Kombination von Familienleben und Atelierarbeit hat die Künstlerin eine eigene originelle Bildsprache fortentwickelt, die tradierte Motive in einen überraschenden Kontext stellen. Das begeistert, weil ihre Werke auch Herz und Seele berühren.

Simons Bilder sollen den Betrachter eher „konfrontieren als ihn in eine andere Welt zu versetzen“, heißt es in der Ausstellungsbeschreibung. Und weiter: „Sie sieht ihre Stoffskulpturen komplementär zu ihren Bildern in der Bestimmung einer räumlichen Atmosphäre, aber auch in der über das Hinzufügen neuer Stoffschichten ähnlichen Produktionsweise.“

Eine riesenhafte Skulptur von zwei Metern Körpergröße mit breitem Footballspieler-Kreuz und Händen wie Bratpfannen ist vollständig in hellblauer Seide eingenäht. Vor monochromen Hintergründen – meist rot, oft schwarz – sehen wir massige Körper mit kleinen Köpfen, mal bedrohlich hinter Gittern („Anpassung“), mal verletzlich („Brand“), mal organisch („Blut“) oder auch versöhnend im „Herzen“-Pullover. Köpfe und Körper sind archaisch angelegt, ohne allerdings martialisch zu wirken. Die Schönheit liegt, so sagt man oft eher beiläufig, im ­Auge des Betrachters.

Die Ausstellung

Raphaela Simon: Die Nachahmung der Rose (16. Februar bis 21. April); Eröffnung der Ausstellung: Freitag, 16. Februar, um 19.30 Uhr; Begrüßung und Einführung: Gertrude Wagenfeld-Pleister, Vorsitzende des Kunstvereins

Öffnungszeiten: Dienstag bis Freitag 14-18 Uhr, Samstag, Sonntag und an Feiertagen 11-18 Uhr; Oldenburger Kunstverein, Damm 2a, Oldenburg

www.oldenburger-kunstverein.de

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Oliver Schulz
Oliver Schulz Redaktion Kultur/Medien (Ltg.)