Damals, als Hiking noch Wandern war und Trekking Shoes noch Schusters Rappen hießen, sang der junge Wandersmann allerlei muntere Lieder, von denen das bekannteste behauptete, das Wandern sei des Müllers Lust. Wer mitsingen will, aber nicht mehr so ganz textsicher ist, stecke sich dieses Buch in sein Ränzlein. (Günter Beck (Hg.): „Die schönsten Volks- und Wanderlieder“, Fischer TB 90327, 8,-)
Im Jahr 1801 schnürte der Schriftsteller Johann Gottfried Seume seine Wanderschuhe, setzte sich einen Tornister auf den Rücken und marschierte von Grimma bei Leipzig bis Syrakus in Sizilien. Als er nach neun Monaten nach Hause kam, bedankte er sich als Erstes bei dem Schuster, dessen Rappen wacker durchgehalten hatten. Seumes „Spaziergang“ dürfte die berühmteste Wanderung der deutschen Literaturgeschichte sein und ist ein kulturhistorisches Dokument ersten Ranges, vergleichbar nur mit Goethes italienischer Reise. (Johann Gottfried Seume: „Spaziergang nach Syrakus im Jahre 1802“, Insel TB 3483, 12,-)
Derartige Gewaltmärsche sind nicht jedermanns Sache, aber wie die schöne Anthologie über „Die Kunst des Wanderns“ zeigt, war der Fußweg bei Schriftstellern stets beliebt – von Hesse bis Handke, von R. L. Stevenson bis Marcel Proust. „Die Reiseromantik“, schrieb nämlich Hermann Hesse, „ist zur Hälfte nichts anderes als Erwartung des Abenteuers. Zur anderen Hälfte aber ist sie unbewusster Trieb, das Erotische zu verwandeln.“ (Alexander Knecht/Günter Stolzenberger: „Die Kunst des Wanderns“, dtv 13867, 8,90)
Als 1603 dem schottischen Schneider William Lithgow die Ohren abgeschnitten wurden, weil er unterm Fenster seiner Liebsten gesungen hatte, machte sich das tapfere Schneiderlein in den Orient auf, weil unterm Turban der Verlust der Ohren nicht weiter auffällt. Sein Bericht über die Wanderungen durch Arabien und Nordafrika sind aberwitzig und voller unfreiwilliger Komik. (Roger Willemsen (Hg.): „Die wundersamen Irrfahrten des William Lithgow“, Fischer TB 18779, 12,99) Mit „Gammler, Zen und hohe Berge“ verfasste Jack Kerouac, der berühmteste Autor der Beat-Generation, einen Reise- und Wanderroman. Zwei Schriftsteller lassen San Francisco hinter sich und machen sich auf den Weg in die einsamen Höhen der High Sierras, auf Güterzügen, als Anhalter, manchmal auf Maultieren und öfter, als ihnen lieb ist, zu Fuß dem Horizont entgegen. (Jack Kerouac: „Gammler, Zen und hohe Berge“, rororo 25397, 8,95)
