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NWZonline.de Nachrichten Kultur Ausstellungen & Kunst

„Stunde Null“ feiert Renaissance

16.05.2015

Karlsruhe Der Künstler lässt sich vom eigenen Werk überraschen. „Schauen Sie, was da gerade passiert!“ ruft Heinz Mack beim Gang über die Ausstellung „Licht Schatten“ im Museum Frieder Burda in Baden-Baden. Seine Arbeit Silberner Doppelrotor (1961/98) ist für einige Sekunden in gleißendes Licht getaucht, bis sich das Relief aus Aluminium, Glas und Edelstahl weiterdreht und wieder in silbergrauen Schattierungen versinkt. Die Betrachtung von Licht und Bewegung schenkt ein Gefühl der Ruhe - oder wie es Mack im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur formuliert: „Die Schwerkraft wird erträglicher.“

Die von Mack zusammen mit Otto Piene und später auch Günther Uecker auf den Weg gebrachte ZERO-Bewegung markiert nach den Worten von Kurator Helmut Friedel einen „Nullpunkt, der in einem eher schwierigen und dumpfen Umfeld in Deutschland einen Lichtblick schaffen wollte“. Mit der Entdeckung von Aluminium als Material für seine Lichtkunst habe Mack technische Utopien wie den Aufbruch in den Weltraum aufgegriffen.

„Mitte der 50er Jahre war ich verzweifelt“, erinnert sich Mack. Er habe sich gefragt, ob es sinnvoll sei, sich noch der Malerei zu widmen. Mit der immer weiter vorangetriebenen Abstraktion sei die Malerei bei Bildern wie einem „weißen Quadrat auf weißem Grund“ angelangt. Künstlern wie Yves Klein habe nur noch eine einzige Farbe genügt, Ultramarin. Lucio Fontana, dessen Beziehungen zu ZERO eine Begleitschau im Museum Frieder Burda zeigt, zog daraus die radikale Konsequenz, mit dem Messer in die Leinwand zu schneiden.

„Es war alles entschieden, ich sah keine Möglichkeiten mehr“, sagt Mack. „Das war einer der Gründe, warum ich mich dem Relief genähert habe.“ Erst viel später, 1991, habe er eine Art klassischen Rückfall erlebt: „Ich wurde wieder Maler - so kann es gehen.“

Das Relief ist ein Zwischending auf dem Weg von der Malerei zur Skulptur. In dieser Kunstform sieht Mack in besondere Weise die Aufhebung der Materie verwirklicht, die für ihn in jeder Kunst gegeben ist: „Wenn Rembrandt seine Ölfarbe aufgetragen hat, sehe ich zum Schluss keine Ölfarbe mehr.“ Daher sei Gold ebenso wichtig wie ein Stück Eisenblech. „Entmaterialisierung ist eines der wichtigsten Prinzipien in der Kunst überhaupt.“

Immaterielle Erfahrungen mit Licht, Spiegelungen und Brechungen erleben Besucher und Besucherinnen immer wieder in der am Samstag beginnenden Ausstellung mit 78 Relief-Arbeiten Macks. Sie erstrecken sich über sechs Jahrzehnte, von 1954 bis 2014. Aber sein Werk entziehe sich jeder chronologischen Ordnung, betont der Künstler. „Ähnlich wie im orientalischen Raum denke ich im Kreis - ich fange irgendwo an und höre irgendwo auf und begegne irgendwann früheren Arbeiten, die ich dann weiterführe.“

Dazu passt es auch, dass die ZERO-Bewegung lange in Vergessenheit geraten war und jetzt seit einigen Jahren neu entdeckt wird. Im Martin-Gropius-Bau in Berlin läuft bis zum 8. Juni eine große ZERO-Schau, die zuvor auch im New Yorker Guggenheim Museum mit einem anderen Schwerpunkt gezeigt worden war.

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