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Ausstellung In Nwz-Galerie Vorliebe für spontane Pinselschwünge

Jürgen Weichardt

Oldenburg - Die malerische Aktion, nicht irgendein Motiv steht im Mittelpunkt der Arbeit von Waltraud Hanuschkiewicz. Was geschieht auf der Leinwand nach dem spontanen ersten Pinselstrich?

In einigen der jetzt in der NWZ -Galerie ausgestellten Acrylbilder suchen die nächsten Striche schon nach einer Form, umfahren Flächen und konturieren halbe Bögen, die zusammen eine Schulterpartie ergeben können.

In anderen Bildern wird dem ersten Pinselzug ein zweiter kurzer Zug entgegengesetzt, oder zum ersten finden sich Parallelen und ergeben allmählich ein mit kurzen Streifen gefülltes Binnenfeld.

Aufgerissene Augen

Dass dieses Feld auch Rumpf eines Körpers sein kann, ist eine Frage der Akzeptanz der Farbbewegungen und wird von der Malerin intuitiv entschieden. Denn sie kann diese frühen Farbsetzungen alle auch wieder verwerfen, das heißt übermalen. Der nach formalen Anhaltspunkten suchende Blick des Betrachters stößt in solchem Farbfeld unversehens auf ein Augenpaar in der brüchig leichten Kontur eines Gesichts und verliert sich wieder in den dichten Strichfügungen.

In einem späteren Stadium kann die Künstlerin Randzonen solcher Farbfelder mit einer einzelnen Farbe abdecken, was auch wieder zu einem Rumpf führen kann. Gerade diese aus vielen Pinselzügen zusammengewachsenen Flächen erzählen also vom Prozess der Malerei dieser Künstlerin – erst nach mehreren spontanen Pinselzügen und Pinselschwüngen entscheidet sie sich für die Ausführung eines figurativen Details wie Schulter und Kopf mit aufgerissenen Augen, offenem Mund, also mit starker emotionaler Ausdruckskraft.

So hat sie Figuren auf ihre Leinwände gebannt, die unbezeichnet, also anonym bleiben. Sie lehnen sich weder an lebende Personen an, noch nehmen sie Beziehungen zu kunsthistorischen Gestalten auf, selbst wenn die Künstlerin akzeptiert, dass Details auch in Figurationen etwa von Francis Bacon zu finden sind. Das Gestische dominiert die Form.

Unter ihren Farben spielt das Weiß eine herausragende Rolle, nicht nur, weil meist der weiße Bildgrund die Figuration trägt. Zudem taucht die Farbe Weiß häufig in den Schichten der dichten Farbfelder auf und stellt eine Beziehung zum weißen Bildgrund her. Das dichte Hin und Her der Pinselstriche wirkt dadurch transparenter und leichter.

Bis Ende März

Waltraud Hanuschkiewicz hatte schon lange vor dem Ende ihrer Berufstätigkeit bei Oldenburger Künstlern Kurse belegt und auch an Gruppensitzungen wie Porträt-Zeichnen teilgenommen. Werner Tegethof wird von ihr als erster Lehrmeister genannt, später haben ihr auch Barbara Habermann, Doris Garduhn, Eckhard Dörr und Klaus Beilstein in VHS oder Werkschule theoretische und praktische Tipps gegeben. Zuletzt, von 2000 bis 2006, hat Waltraud Hanuschkiewicz an der Oldenburger Universität Kunstwissenschaften studiert.

Die Bilder sind bis Ende März in der NWZ -Galerie an der Peterstraße 28 zu besichtigen.

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