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NWZonline.de Ratgeber Motor und Verkehr

Wie Robo-Shuttles die Stadt erobern sollen

29.03.2019

Las Vegas (dpa/tmn) - Es ist spät in der Nacht, bitterkalt und der nächste Bus kommt erst in einer halben Stunde. Und dann steuert der Busfahrer auch noch alle Haltestellen an, selbst wenn dort niemand ein- und aussteigen will.

Wer so eine Situation in der Stadt vermeiden will, nimmt beim nächsten Mal vielleicht das Auto oder ein Taxi. Oder er zückt sein Smartphone, öffnet die App und ruft sich seinen eigenen Bus. Zumindest, wenn er in der Zukunft lebt.

Denn wenn wahr wird, was die PS-Branche etwa im Januar auf der Elektronikmesse CES in Las Vegas demonstriert hat, dann haben Busse und Taxen, wie wir sie heute kennen, bald ausgedient. Stattdessen gehört die Stadt künftig vernetzten Robo-Shuttles. Sie sammeln Nachtschwärmer ein und bringen sie überall hin. Ihre Route berechnen sie automatisch so, dass möglichst viele Kunden in möglichst kurzer Zeit ans Ziel gebracht werden, erläutert Thomas Moser.

Ein Raumschiff auf Rädern

Er hat bei Mercedes das Projekt Vision Urbanetic mitverantwortet und ein Raumschiff auf Rädern entwickelt, das in Las Vegas schon mal einen kurzen Ausflug in die Wirklichkeit machen durfte. Eine Nacht lang ist der autonome Kleinbus den Prachtboulevard auf- und abgefahren, hat bis zu zwölf Casino-Besucher eingesammelt und sie über den "Strip" chauffiert.

Wolfgang Bernhart von der Unternehmensberatung Roland Berger geht davon aus, dass solche Fahrzeuge schon in der nächsten Dekade das Straßenbild in den Städten bestimmen und den öffentlichen Nahverkehr revolutionieren werden: "Da kommt eine neue Generation von Fortbewegungsmittel auf uns zu, die zu einer neuen Art von individueller Mobilität führen wird", sagt er. "Das ist genau wie damals, als aus der motorisierten Droschke das Auto wurde, wie wir es bis heute kennen."

Die guten Aussichten für die Robo-Shuttles begründet er mit Vorteilen für alle beteiligten: Die Passagiere hätten eine sicherere, komfortablere und im besten Fall auch noch kürzere Fahrt. Zudem werde diese billiger sein als eine Taxifahrt. Und die Gemeinschaft profitiere von weniger einzelnen Fahrzeugen auf der Straße, was zu einem besseren Verkehrsfluss und einem reduzierten Schadstoffausstoß führe.

Flexible Kleinbusse

Entsprechend groß ist die Flotte an Versuchsfahrzeugen, die gerade bei den Herstellern entwickelt und getestet wird. Bosch, Continental und ZF - alle großen Zulieferer haben autonome Kleinbusse im Rennen, und vor Mercedes hat schon VW mit dem Sedric den Claim für solche Roboter-Shuttles abgesteckt. Analog dazu kümmern sich die Anbieter auch um Päckchen und planen eigene Computer-Kuriere.

Männer wie Mercedes-Manager Moser oder der Schweizer Querdenker Frank Rinderknecht gehen sogar noch einen Schritt weiter und bringen beide Anwendungsfälle buchstäblich unter einen Hut: Um die Zahl der Fahrzeuge auf den Straßen weiter zu reduzieren und zugleich die Nutzungsdauer der verbleibenden Vans zu maximieren, haben sie Wechselkonzepte entwickelt. Mit diesen können die Aufbauten weitgehend automatisiert getauscht werden: Eben noch ein Kleinbus, wird das Robo-Shuttle binnen Minuten zu einem Lieferwagen.

Unterwegs auf privaten Geländen

Noch ist der autonome Nahverkehr mit der individuellen Note nur eine Vision, doch sie ist bereits zum Greifen nah. Denn auf privaten Geländen etwa von Firmen oder Hochschulen sind die führerlosen Kleinbusse bereits unterwegs. Und selbst im öffentlichen Verkehr sollen sie bald starten. Der Zulieferer ZF hat den ersten Großauftrag für seinen autonomen Kleinbus vermeldet, selbst wenn der in der ersten Generation wohl die meiste Zeit noch mit Fahrer unterwegs sein wird, so Pressesprecher Christoph Horn. "Erstens, weil es die Software in jeder Verkehrssituation noch lernt und zweitens natürlich, weil es der Gesetzgeber bis auf weiteres so verlangt."

Je besser die Robo-Shuttles funktionieren und je enger sie mit dem öffentlichen Nahverkehr etwa auf der Schiene verknüpft sind, desto enger wird es für konventionelle Busse und Taxen. Aber auch für das Auto, räumt Bernhart ein. Er kann sich durchaus vorstellen, dass es irgendwann Städte geben wird, die den Individualverkehr komplett aussperren. Allerdings werde das die Ausnahme bleiben. "In unseren Szenarien hat das Auto noch lange einen festen Platz."

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