Berlin - Ob Carsharing ein Lösungsweg ist, um die Verkehrsprobleme der Zukunft zu lösen, ist umstritten. Wo es angeboten wird, funktioniert es aber gut. Mängel finden sich nur im Kleingedruckten. Finanziell lohnt sich Carsharing nur für Wenigfahrer, die nicht mehr als rund 5000 Kilometer im Jahr zurücklegen. Zu diesem Ergebnis kommt die Stiftung Warentest („test“, 7/15).
Etabliert haben sich zwei Carsharing-Varianten. Beim klassischen Modell stehen die Autos auf einem festen Parkplatz. Nutzer holen den Wagen ab, nach der Fahrt bringen sie ihn dorthin zurück. Sie buchen über Telefon, Computer oder Smartphone-App. Eine Stunde Kleinwagen fahren kostet etwa zwei bis fünf Euro, Benzin inklusive.
Führerschein-Neulinge
Die zweite Carsharing-Variante ist flexibler, deutlich teurer und nur in großen Städten zu finden. Eine Stunde kostet etwa 15 bis 17 Euro, Benzin und Parkkosten inklusive. Die Autos stehen irgendwo in der Stadt, frei geparkt. Das Modell heißt Freefloating. Kunden orten einen Wagen via Computer, mobile Website oder App. Nach der Fahrt stellen sie es an einem beliebigen Parkplatz innerhalb des Nutzungsgebiets ab.
Beide Carsharing-Varianten haben Vor- und Nachteile. Am besten fahren Verbraucher, die beide wechselseitig nutzen können. Das ist aber nur in Ballungsräumen möglich. Book-n-Drive und Stadtmobil bieten feste Stationen und Freefloating parallel an, aber nur in wenigen Städten. Vor Kurzem haben Flinkster, der größte Anbieter des Stationsmodells, und der Freefloater Car2go eine Kooperation gestartet. Kunden können nun mit einer Registrierung beide Flotten nutzen.
Führerschein-Neulinge sind nicht bei allen willkommen. DriveNow akzeptiert Kunden erst ab dem Alter von 20, Greenwheels erst ab 24. Unter 25-Jährige können bei Flinkster und Drive Carsharing nicht alle Fahrzeugtypen mieten. Und Cambio verpflichtet Fahrer unter 25, die ihren Führerschein noch keine zwei Jahre besitzen, ein Sicherheitspaket zu buchen, das die Vollkasko-Selbstbeteiligung auf 200 Euro senkt.
Die meisten Anbieter schicken ihren fahrenden Kunden alle zwei oder vier Wochen eine Rechnung, die die Kosten für jede einzelne Buchung auflistet. Beim Carsharing mit festen Parkplätzen richten sich die Tarife meist nach Nutzungsdauer und gefahrenen Kilometern. Für längere Strecken oder Zeiten bieten einige Vermieter günstigere Pauschalen an.
Die stationsunabhängigen Anbieter haben hauptsächlich Zeittarife, sie rechnen pro Minute ab. Car2go bietet auch Stunden- und Tagestarife an, längere Strecken werden aber teuer: Ab dem 51. Kilometer berechnet die Firma zusätzlich 29 Cent pro Kilometer. Bei DriveNow können Kunden für längere Fahrten Stundenpakete buchen: für drei, sechs, neun oder 24 Stunden.
Straßenverkehr ist gefährlich, eine Haftpflichtversicherung, die Ansprüche von Unfallopfern begleicht, ist gesetzlich vorgeschrieben. Alle getesteten Anbieter stocken die gesetzliche Mindestdeckungssumme auf, meist auf 100 Millionen Euro. Personenschäden sind aber nur mit acht oder 15 Millionen Euro versichert.
Versicherung
Für Schäden am Mietauto kommt die Vollkaskoversicherung auf. Sie ist bei allen Standard, mit unterschiedlichen Selbstbeteiligungen. Wird das Auto durch einen selbstverschuldeten Unfall beschädigt, muss sich der Kunde mit 500 bis 1500 Euro an den Reparaturkosten beteiligen. Zahlt er etwa 25 bis 90 Euro im Jahr zu, kann er die Selbstbeteiligung auf 200 bis 300 Euro senken, bei einigen auch auf null – zu höheren Kosten.
Carsharing lohnt sich vor allem in Ballungsgebieten mit einem gut ausgebauten Nahverkehrsnetz. Verbraucher können stationsgebundenes und -ungebundenes Carsharing verbinden. Alle Anbieter schneiden gut ab – bis auf zwei, deren Noten wegen unerlaubter Klauseln im Kleingedruckten abgewertet wurden. Das beste Angebot mit festen Stationen haben Flinkster und Cambio. Die Freefloating-Flotten Car2go, DriveNow und Multicity fahren ebenfalls vorn mit.
