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NWZonline.de Ratgeber Motor und Verkehr

50 Jahre Renault R12 - Moderne Technik und freche Karosserie

18.05.2019

Köln Als erster für alle fünf Kontinente konzipierter Renault wagte der R12 vor 50 Jahren, was sich bis dahin kein Europäer zutraute: Mit moderner Technik und frecher Formensprache aufstrebende Märkte zu erobern.

Tatsächlich aber stand der 4,34 Meter lange Renault 12 für den Beginn einer neuen Ära, denn dieser 1,3-Liter-Vierzylinder mit Frontantrieb schickte die Heckmotor-Veteranen R8 und R10 in den Ruhestand. Zudem revitalisierte der R12 die für Frankreich so typische Karosserieform des klassischen Familienkombis, die es bei Renault zehn Jahre lang nicht gegeben hatte.

Vor allem jedoch legte der fast vier Jahrzehnte lang gebaute Renault 12 das Fundament für die spätere Renault-Tochter Dacia und das moderne Weltauto im Multi-Marken-Branding. Sogar Ford bediente sich in Südamerika der Renault-12-Architektur, und auf australischen Wüstenpisten oder afrikanischen Rüttelstrecken bewährte sich die robuste Frontantriebskonstruktion besser als die meisten etablierten Modelle mit Hinterradantrieb.

Der Renault 12 verfügte über innovativen Frontantrieb, nicht aber über die Renault-typische Drehstabfederung und hintere Einzelradaufhängung. Stattdessen kamen zugunsten niedriger Produktionskosten Schraubenfedern an allen vier Rädern und eine hintere Starrachse zum Einsatz. Es war das richtige Technikpaket für den Renault 12, um sich gegen den härtesten globalen Rivalen durchzusetzen, den Fiat 124 mit Hinterradantrieb.

Bei den Verhandlungen mit der Sowjetunion über den künftigen Lada hatte noch Fiat die Nase vorn, aber beim Vertragsabschluss mit dem rumänischen Staatsführer Nicolae Ceausescu um ein Volksauto für das in der Römerzeit Dakien genannte Land setzte sich Renault durch. Die neu gegründete Marke Dacia startete 1969 mit dem Renault 12 und baute bis 2006 rund 2,3 Millionen Einheiten des Franzosen, darunter auch ganz eigenständige Karosserievarianten wie Pick-ups, Coupés und fünftürige Schräghecklimousinen.

In Westeuropa trat der Renault 12 als preiswerte Alternative zu etablierten Deutschen wie Audi 60 und VW 1600 auf, nahm es aber auch mit der Mittelklasse der 1970er Jahre auf, darunter Citroen GS, Ford Taunus/Cortina und Opel Ascona. Die deutsche Fachpresse war voll des Lobes über den gut ausgestatteten, sorgfältig verarbeiteten und flotten Franzosen. Dank aerodynamisch günstiger Form genügten dem 880 Kilogramm leichten Fünfsitzer 40 kW/54 PS für 142 km/h Vmax, während etwa das Sportcoupé Ford Capri mit vergleichbarer Motorisierung nur 133 km/h schnell war.

Fürs sportliche Image schob Renault Ende 1970 den R12 Gordini nach, der mit dem 1,6-Liter-Vierzylinder aus dem Renault 16 bestückt war und dank zweier Weber-Doppelvergaser bis 85 kW/115 PS freisetzte. Genug Kraft für Tempo 185 und gegen VW-Porsche 914, BMW 2002 oder das Sechszylinder-Establishment.

Frech genug gekleidet für Provokationen war der Renault 12 Gordini jedenfalls, trug er doch statt konventioneller Stoßstangen lieber seitliche Rallyestreifen. Auch einen Konkurrenten für Ford Capri und Opel Manta gab es auf Basis des Renault 12. Gekleidet in extravagante Couture, fuhr das viersitzige Sportcoupé-Duo Renault 15/17 im Herbst 1971 an die Startlinie. Als der Renault 12 Gordini Ende 1974 aus dem Modellprogramm gestrichen wurde, übernahm der 79 kW/108 PS starke Renault 17 Gordini die Funktion des Leistungsträgers.

1969 konnte der französische Staatskonzern hierzulande 7,5 Prozent Marktanteil erringen und sich so erstmals auf Platz vier hinter VW, Opel und Ford positionieren. Auch in der DDR war der Renault 12 bald begehrt – unter Dacia-Label. Regelmäßige kleine Facelifts hielten den Renault 12 über elf Jahre und vier Millionen Einheiten frisch, erst dann musste der Dauerläufer in Westeuropa dem Renault 18 weichen.

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