Paris/Saarburg - Eine Generation nach dem Debüt des VW Golf GTI gibt es plötzlich jede Menge sportlicher Kleinwagen. Ganz vorne dabei: der Peugeot 205 GTI. Er erschien 1983 auf der Bühne, als bei VW gerade die zweite Golf-Generation ins Rollen kam, erinnert sich Ludwig Biewen aus Saarburg. Der Rheinland-Pfälzer war damals VW-Mechaniker, ist heute ausgewiesener 205-Kenner und Peugeot so sehr verbunden, dass das Löwen-Logo der Marke sogar einen seiner Zähne ziert.

Nach Biewens Einschätzung gibt es gleich mehrere Gründe, weshalb der 205 GTI auf Anhieb Freunde fand: „Das war damals Frankreichs flottester Feger“, sagt der ehemalige Rennfahrer. „Das Auto konnte bei den Fahrleistungen mit dem Golf mithalten und war mit seinem Grundpreis von 19 295 D-Mark schon beim Start deutlich billiger als die deutsche Konkurrenz.“ Kein Wunder, dass von den insgesamt 330 000 produzierten Exemplaren aus der Zeit bis 1993 knapp zehn Prozent in Deutschland verkauft wurden.

Natürlich hing das nicht nur mit Preis und Motorleistung zusammen – es war auch eine Imagefrage: frisch, frech und nicht so bieder – so überzeugte der Franzose die Kunden und die Fachpresse. Die deutsche Zeitschrift „Auto Bild“ krönte den 205 GTI damals ganz unpatriotisch zum „unbestritten reizvollsten und echtesten aller GTI“. Die Kotflügelverbreiterungen samt Seitenleisten aus dunklem Kunststoff waren zum Beispiel vor 30 Jahren noch eine echte Besonderheit.

Charme und Charakter des 205 GTI haben die Zeit überdauert. Zwar kann man mit einem 105 PS starken 1,6-Liter-Motor heute eigentlich niemandem mehr hinter dem Ofen hervorlocken. Doch wenn diese Leistung und maximal 132 Newtonmeter Drehmoment auf nur 850 Kilogramm Fahrzeuggewicht treffen, dann geht selbst mit einem 30 Jahre alten Oldtimer gut die Post ab: Nach 9,5 Sekunden zeigt der Tacho 100 km/h an, 190 km/h Spitzentempo sind möglich. Vor allem auf kleinen, kurvigen Straßen kann der 205 GTI sein Potenzial entfalten.

Fahrzeuge in gutem Zustand gibt es laut Biewen heute schon ab rund 5000 Euro. „Doch auch beim 205 GTI wird das Angebot langsam dünn“, klagt der Experte. Vor allem Exemplare im Originalzustand seien rar, weil die Autos oft getunt und verbastelt wurden: „Ausgestellte Kotflügel, abgesenkte Hauben, dicke Auspuffrohre: Damals war das ganz heiß, heute empfindet man das als hässlich und drückt deshalb die Preise.“

Der technische Gesamtzustand der Autos sei meist sehr ordentlich, sagt Biewen. „Rost ist bis auf die Heckklappe kein großes Thema, und die Motoren waren damals sehr haltbar.“ Wenn ein 205 GTI in der Vergangenheit nicht zu stark beansprucht und regelmäßig gewartet worden sei, bleiben seinem Besitzer heute in der Regel böse Überraschungen erspart.

Während sich Fans wie Biewen liebevoll um die heißen Eisen von einst kümmern, geht das Wettrüsten ab Werk munter weiter. Genau wie vor 30 Jahren treffen Peugeot und VW auch diesmal wieder aufeinander und lancieren fast zeitgleich die jeweils jüngste Auflage ihrer Kraftmeier: den 200 PS starken 205-Erben 208 GTI (ab 22 900 Euro) und den Golf VII GTI mit 230 PS (ab 28 350 Euro). Der Unterschied zwischen den Modellen sei zwar „größer denn je, aber Spaß machen die sicher beide mehr als genug“, sagt Biewen.