Frankfurt/Main - Was für andere noch eine Vision ist, ist bei Tesla schon Wirklichkeit: Die Elektro-Limousine Model S des US-Autobauers hat das aufgeräumteste Cockpit überhaupt – oder vielmehr: das ausgeräumteste Cockpit. Gerade mal zwei Knöpfe gibt es am Armaturenbrett. Einen für den Warnblinker, den zweiten zum Öffnen des Handschuhfachs.
Alle anderen Fahrzeugfunktionen werden über den 17-Zoll-Touchscreen gesteuert. Schalter und Knöpfe sind ein Auslaufmodell am Arbeitsplatz des Autofahrers. Stattdessen gibt es Touchscreens und -pads, mit denen der Fahrer das Klima im Wagen reguliert, Radio und Navigationssystem programmiert oder das Schiebedach bedient.
Beim Blick in Volvos Concept Coupé eröffnet sich eine ganz neue Armaturenwelt: Wo früher Dutzende Drücker und Schalter saßen, prangt jetzt ein großer Monitor mit kleiner Knopfleiste darunter. Im nächsten XC90 will Volvo die neue Bedienoberfläche eins zu eins in Serie bringen.
Noch puristischer kommt Citroëns Studie Cactus daher. Das knuffige Mini-SUV ist nicht nur äußerlich aufs Wesentliche reduziert, sondern auch im Innenraum: Glatte, mit feinem Leder bezogene Flächen bringen eine himmlische Ruhe in den Wagen, die kein Bedienfeld stört. Stattdessen ist auch im Cactus ein zentraler Touchscreen montiert. Er sitzt mittig vor dem Armaturenbrett, ein zweites Display hinter dem Lenkrad.
Noch so ein Fall: der S-Max Concept von Ford. Auch in dieser Studie, die einen Ausblick auf die nächste Generation des Sportvans gibt, sind viele wichtige Funktionen auf einer digitalen Bedienoberfläche gebündelt. Die Kölner haben offenbar die häufig geäußerte Kritik beherzigt, dass die Armaturenträger ihrer Autos überfrachtet sind.
Aber ist die neue Zurückhaltung bei der Cockpit-Gestaltung im Großen und Ganzen doch nur eine Spielerei der Autoentwickler? Keineswegs – siehe Volvo. Bei Citroën heißt es, der Cactus sei schon sehr nah am Serienmodell. Und Ford-Sprecher Isfried Hennen sagt über den S-Max-Vorboten: „Das Konzeptfahrzeug gibt die Richtung vor, wohin die Reise geht.“ Damit sich Ford-Fahrer bald nicht einmal mehr durch Menüs klicken oder irgendwelche Schalter drücken müssen, treibt der Hersteller die Weiterentwicklung seines sprachgesteuerten Infotainment-Systems Sync voran. Der Fahrer sagt dem Auto, was er will – und der Wagen gehorcht. So bleiben die Augen immer auf der Straße und die Hände am Lenkrad.
„One button, one function“ – für jede Funktion ein eigener Knopf: Damit ist auch bei Opel Schluss. „Das hat sich durch die vielen neuen Funktionen überlebt, die vor allem das Internet im Auto mit sich bringt“, begründet Firmensprecher Patrick Munsch, warum Opel die Mittelkonsole des modernisierten Insignia deutlich entschlackt hat. Hinzugekommen ist nur ein nützliches Touchpad auf dem Mitteltunnel, das etwa für die Eingabe eines Navigationsziels auch Handschrift erkennt.
Auch Peugeot hat bereits damit begonnen, die Schalter-Gräber in seinen Modellen einzuebnen – unter anderem im neuen 308. In den gehobenen Ausstattungsvarianten wird der Kompakte mit einem zentralen 9,7-Zoll-Touchscreen zwischen den Lüftungsdüsen ausgeliefert. Klassische Knöpfe gibt es nur noch für Warnblinker, Front- und Heckscheibenheizung, Umluftfunktion und Zentralverriegelung.
