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NWZonline.de Region

Auto verliehen und Unfall gebaut – wer trägt die Kosten?

21.12.2010

Eine fast alltägliche Situation: „Leihst du mir mal dein Auto?“ – gerade unter jungen Fahrern ist dies gang und gäbe. Meist ist dies auch kein Problem, doch passiert tatsächlich ein Schaden oder ein Unfall, wird dies nicht selten zum Härtetest für die Freundschaft. Autos werden mal der Freundin oder dem Kumpel geliehen, doch nur die wenigsten machen sich hier Gedanken über die möglichen Folgen: Passiert in dieser Situation ein Unfall, den der Entleiher verursacht hat, kann dieser Freundschaftsdienst für beide teuer zu stehen kommen.

Rechtlich gesehen handelt es sich hier um einen Leihvertrag. Der Verleiher stellt das Fahrzeug zur Verfügung, der Entleiher ist verpflichtet, es unbeschädigt zurück zu geben. Man ahnt es: Er haftet auch auf Ersatz aller Vermögensschäden, die durch die Benutzung des PKW entstehen. Kommt es nun während der Leihe zu einem Schaden oder einem Unfall, kann dies unter Umständen ganz erhebliche Folgen sowohl für Halter, Versicherungsnehmer und auch den Entleiher nach sich ziehen:

Für den Schaden am gegnerischen Fahrzeug kommt in jedem Falle die Kfz-Haftpflichtversicherung des Halters auf, da sich diese grundsätzlich auf das Fahrzeug und nicht auf den Fahrer bezieht. Regelmäßig ist hier in den Tarifbestimmungen vereinbart, dass bei Inanspruchnahme der Versicherung der Schadensfreiheitsrabatt belastet wird, so dass die Prämie in den Folgejahren nicht unerheblich steigt. In der Rechtsprechung ist anerkannt, dass der Entleiher verpflichtet ist, diese Mehrprämie dem Versicherungsnehmer zu erstatten. Voraussetzung ist aber, dass der Entleiher den Unfall schuldhaft herbeigeführt hat.

Und wer trägt die unter Umständen nicht unerheblichen Reparaturkosten am ei-genen Fahrzeug, den die Freundin verursacht hat? Und was passiert bei Höherstufung des Schadensfreiheitsrabatts?

Die bei der Freundin vorhandene Privathaftpflichtversicherung deckt keine Schäden durch den Gebrauch von Kraftfahrzeugen, weiterhin sind Schäden an geliehenen oder gemieteten Sachen sowieso nicht versichert.

Die Kfz-Kaskoversicherung trägt die Kosten für die Reparatur am eigenen Fahrzeug. Doch Achtung: der eingetretene Schaden muss von der Kaskoversicherung überhaupt gedeckt sein. Das hängt davon ab, ob hier eine Voll- oder eine Teilkaskoversicherung abgeschlossen worden war.

Besteht lediglich eine Teilkaskoversicherung für das Fahrzeug, so beschränkt sich diese nur auf den Diebstahl des Kfz inklusive mitversicherter Teile, die Beschädigungen am Fahrzeug, die mit einem Diebstahl in kausalem Zusammenhang stehen sowie Schäden durch Brand, Blitzschlag, Explosion, Glasbruch sowie Wildschaden. Die Inanspruchnahme der Teilkasko hat den Vorteil, dass hier keine Höherstufung als Folge eintritt, da ein schadensfreier Vertragsverlauf hier nicht rabattiert wird.

Anders sieht es dagegen bei der Vollkaskoversicherung aus. Fällt der Schaden in diese Deckung, dann bestehen für den Versicherungsnehmer je nach Schadenshöhe zwei Möglichkeiten: ist der eingetretene Schaden relativ gering (Achtung: Beachtung der Höhe der Selbstbeteiligung hier nicht vergessen), hat der Verursacher, also der Entleiher diesen komplett aus der eigenen Tasche bezahlen. Dies sollte unbedingt geklärt werden, ehe die Versicherung in Anspruch genommen wird, da im Gegensatz zur Haftpflichtversicherung nicht alle Versicherungsunternehmen die Möglichkeit des Rückkaufs gewähren.

Die Beschädigung des eigenen PKW wird nur von einer Vollkaskoversicherung übernommen. Auch hier kann es zu einem Prämienschaden kommen, den der Entleiher zu zahlen hat, wenn er den Unfall schuldhaft verursacht hat. Entsprechendes gilt für die Selbstbeteiligung. Der Verleiher kann daher als Eigentümer von dem Fahrzeugentleiher den Selbstbehalt in der Kaskoversicherung und den Rückstufungsschaden in der Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung zurückfordern. Zu beachten ist eine sehr kurze Verjährungsfrist von sechs Monaten nach Rückgabe des PKW.

Die Berechnung des Rückstufungsschadens ist nicht einfach, da er sich über mehrere Jahre erstreckt und verändert. Die Versicherer sind aber auf Anfrage gern bereit, den Betrag zu kalkulieren, so dass man eine Grundlage für eine Einigung hat. Diese Mehrprämie kann dann der Versicherungsnehmer sich vom Entleiher / Schadensverursacher wiederholen. Hat der Fahrzeughalter keine Kaskoversicherung, muss in der Regel der Fahrer für Schäden am Wagen alleine und vollständig aufkommen.Einfacher ist die Lage, wenn ein Kunde den Wagen eines Autohändlers zur Probe fährt. Dann wird fast immer eine stillschweigende Haftungsfreistellung vorausgesetzt. Gibt der Händler keinen anderen Hinweis, kann der Kunde hier davon ausgehen, dass der Wagen vollkaskoversichert ist. Der Kunde muss dann nur für Schäden aufkommen, wenn er grob fahrlässig einen Unfall verursacht hat. Grob fahrlässig ist er etwa dann, wenn der Testfahrer alkoholisiert oder mit stark überhöhter Geschwindigkeit gefahren ist. Hat der Händler allerdings vor der Fahrt darauf hingewiesen, dass er keine Kaskoversicherung hat, haftet der Kunde bereits bei leichter Fahrlässigkeit für Schäden am Wagen.

Ratschlag:

Wer sein Auto verleiht, sollte vorher auf einen ausreichenden Versicherungsschutz achten und mit dem Entleiher – am besten schriftlich – vereinbaren, wer für Schäden im Falle eines Falles aufkommt. In vielen Versicherungsverträgen ist der Kreis der Fahrer beschränkt (Stichwort: Alleinfahrertarif) und das Verleihen des Autos nicht ohne Weiteres möglich. Vor dem Verleih sollte sich der Wagenbesitzer also vergewissern, dass in seiner Versicherungspolice auch andere Personen als Fahrer zugelassen sind, ggf. sollte dann der Kreis der Nutzungsberechtigten erweitert werden.

Auch sollte sich der Halter des Fahrzeugs vor dem Verleihen unbedingt davon überzeugen, dass der Fahrer überhaupt einen Führerschein hat. Ansonsten ist die Versicherung bei Kaskoschäden sogar völlig leistungsfrei. Für Haftpflichtschäden kommt sie bei berechtigten Schadenersatzansprüchen Dritter wegen Personen-, Sach- und Vermögensschäden zwar auf. Die Versicherung kann dann aber sowohl vom Fahrer als auch von demjenigen, der das Auto versichert hat, einen Teil der ihr entstandenen Aufwendungen zurückfordern. Zudem müssten beide mit einer Straf-anzeige rechnen.

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