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NWZonline.de Region Ammerland Gemeinden Bad Zwischenahn

Straßenkinder für einen Tag

18.06.2019

Bad Zwischenahn Wie ist es, wenn man auf offener Straße auf Menschen zugehen und ihnen anbieten muss, ihre Schuhe zu putzen oder versuchen muss, ihnen Taschentücher oder selbst hergestellte Waren zu verkaufen? Das erlebten am Montag Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums Bad Zwischenahn-Edewecht (GZE) – und sie machten dabei ganz unterschiedliche Erfahrungen.

Mit dem Projekt „Sichtwechsel – Straßenkind für einen Tag“ beteiligte sich die Unesco-Projektschule an einer Aktion der Organisation Terre des hommes. Vor allem Mädchen aus den achten und fünften Jahrgang der Schule stellten vorher kleine Gegenstände wie Hundespielzeug her, setzten Pflanzen in kleine Töpfchen und besorgten sich Unmengen von Taschentücher-Packungen, die sie an der Peterstraße für kleine Summen an den Mann und die Frau zu bringen versuchten.

Ein Eindruck bleibt

Die erste Erfahrung: Waren zu verkaufen, ist viel leichter als eine Dienstleistung anzubieten. Taschentücher und Hundespielzeuge fanden reißenden Absatz. Oft wanderten auch noch großzügige Spenden in die Sammeldosen. „Wir hätten nicht gedacht, dass so viele Leute uns so viel Geld geben“, sagt Karla.

Viel Hilfsbereitschaft also in Bad Zwischenahn. Was Straßenkinder in Entwicklungsländern wirklich täglich erleben – Drogen, Gewalt, Kriminalität und Willkür – kann ein Vormittag auf der Peterstraße natürlich nicht vermitteln.

Aber ein kleiner Eindruck bleibt. Die Decke, auf denen die Mädchen zu Anfang noch als Schuhputzerinnen auf Kundschaft warteten, blieb nach einiger Zeit leer. Nur die Mutter einer Mitschülerin hatte den „Service“ in Anspruch genommen. Es sei kein schönes Gefühl, vom Boden zu den Menschen aufzusehen und oft einfach ignoriert zu werden, da sind sich die Schülerinnen einig. „Für einen Tag finde ich das ok, aber ich glaube nicht, dass ich das über Monate durchhalten könnte“, so Lia. Und Karla ergänzt: „Bei den Leuten, die uns komplett ignoriert haben und einfach weitergegangen sind, von denen fühlt man sich schon sehr abgelehnt.“ Dabei, so sagt Lennja, brauche es erstmal schon viel Mut, überhaupt auf der Straße auf fremde Leute zuzugehen und sie anzusprechen.

Perspektive wechseln

Um diese Erfahrung, so erklärt Lehrerin Patrischa Emmler, geht es vor allem bei dem Projekt. „Die Schüler sollen einen Perspektivwechsel schaffen.“ Dafür hat sich die Lehrerin im Unterricht mit ihren Klassen mit den Lebensumständen von Straßenkindern zum Beispiel in Simbabwe beschäftigt und ihren Alltag und ihre Sorgen kennengelernt. „So richtig klar wird es wahrscheinlich erst, wenn wir die Erfahrungen im Unterricht noch einmal reflektieren“, sagt Emmler.

Spenden kommen an

Das Geld, dass sie am Montag mit dem Verkauf eingenommen haben, stecken sich die Schüler natürlich nicht selbst ein, es geht an Hilfsprojekte, mit denen Terre des hommes Straßenkinder in Entwicklungsländern unterstützt. Viele Passanten kannten die Organisation und waren gerne bereit, die Schülerinnen zu unterstützen. „Allerdings haben viele Leute genau nachgefragt, was mit dem Geld passiert und und haben erst gespendet, als wir etwas über die Organisation erzählt hatten“, sagt Lina. Auch die fest verschlossene und verplombte Spendendose habe einige Passanten überzeugt, dass die Spenden an der richtigen Stelle landen.

Christian Quapp Redakteur / Redaktion Bad Zwischenahn
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