Bad Zwischenahn - 3855 Frauen im Alter von 50 bis 69 Jahren aus der Gemeinde Bad Zwischenahn werden in diesem Jahr persönlich zum Brustkrebs-Früherkennungsprogramm Mammographie-Screening eingeladen. Bis Mitte Juli steht das „Mammobil“, eine mobile Untersuchungseinheit, auf dem Marktplatz. Besonders Frauen, die gerade erst 50 Jahre alt geworden sind, zögern oft, diese Einladung anzunehmen – aus Angst und auch, weil das Programm in den vergangenen Jahren umstritten war.
Gemeinsam mit Sabine Krüger von der Gemeindeverwaltung, Bürgermeister Arno Schilling und der Zwischenahner Radiologin Dr. Birgit Adlung informierten Dr. Gerold Hecht, einer der verantwortlichen Ärzte für das Programm in Niedersachsen Nordwest, und Birgitt Kampen-Neumann, Mitarbeiterin im Mammobil, am Mittwoch in Bad Zwischenahn über das Programm.
Schonende Behandlung
Mittels der Mammographie, einer Röntgen-Untersuchung, sollen Tumore in der Brust in einem sehr frühen Stadium erkannt werden. Auf diese Weise, so Hecht, sei eine sehr schonende und oft lebensrettende Behandlung möglich.
Einer der häufigsten Kritikpunkte: Statistisch würden zu viele Frauen behandelt, obwohl ihnen ein kleiner und langsam wachsender Tumor nie gefährlich geworden wäre. Hecht sieht das anders. Entsprechende Statistiken basierten auf alten Zahlen bezüglich der durchschnittlichen Lebenserwartung. Je älter Frauen durchschnittlich würden, desto größer sei die Wahrscheinlichkeit, dass ihnen ein Tumor doch gefährlich werde. Auch die Abwägung zwischen dem Nutzen der Untersuchung und den Risiken durch die Strahlenbelastung beim Röntgen falle nach aktuellem Forschungsstand zugunsten der Untersuchung aus.
Noch keine Alternative
Und Alternativen? Bluttests zur Brustkrebs-Früherkennung sind nach Hechts Meinung noch lange nicht realistisch einsetzbar und Ultraschall-Untersuchungen, die ohne Strahlenbelastung auskommen, nur eine Ergänzung. Für eine Reihenuntersuchung, die für möglichst alle Frauen im als kritisch betrachteten Alter zu Verfügung stehen soll, eigne sich der Ultraschall nicht. Auch Birgit Adlung, die sowohl die Mammographie als auch Ultraschall einsetzt, hält derzeit beide Verfahren für notwendig. Der Ultraschall könne aber helfen, per Mammographie erkannte Tumore genauer zu lokalisieren, sagte sie. Adlung gehört auch zu den Ärzten, die nach der Mammographie die Röntgenaufnahmen auswerten. Jedes Bild werde von zwei Ärzten „befundet“, erläutert Hecht, innerhalb von maximal sieben Tagen, meist schneller, erhalte jede untersuchte Frau ihren Befund – ob eine Auffälligkeit entdeckt werde oder nicht.
Eigene Erfahrung
Sabine Krüger kennt den Ablauf aus eigener Erfahrung – inklusive positivem Befund nach der Untersuchung. „Ich habe mich gut aufgefangen und in keinem Moment allein gelassen gefühlt“, sagt sie vier Jahre nach der Diagnose. „Es ist gut, diese Option direkt vor der Haustür zu haben“, ergänzt sie. Die Hemmschwelle, sich selbst zu einer Untersuchung anzumelden, werde durch die automatische Einladung abgebaut, ist sie überzeugt.
Dafür, dass nach der ersten Untersuchung die Angst deutlich abnimmt, sprechen zwei Zahlen, die Hecht nennt. Insgesamt liege die Quote der eingeladenen Frauen, die zur Untersuchung kommen, bei 60 Prozent. Von allen, die einmal teilgenommen hätten, kämen aber 90 Prozent auch zu den folgenden Terminen alle zwei Jahre.
Mit dem Screening im zweijährigen Abstand ist allerdings keine absolute Sicherheit verbunden. Tumore könnten sich auch in der Zwischenzeit bilden und gefährlich sein. Vor allem Frauen, bei denen Brustkrebs in der Familie bekannt sei, sollten sich engmaschiger untersuchen lassen, erklärte Adlung.
In diesem Jahr steht das Mammobil nach der Station in Bad Zwischenahn noch von Juli bis August in Edewecht und von August bis September in Wiefelstede.
