• Jobs
  • Immo
  • Auto
  • Kleinanzeigen
  • Deals
  • Trauer
  • Hochzeit
  • Guide
  • Shop
  • Tickets
  • Veranstaltungskalender
  • Fußball
  • Werben
  • Kontakt
  • Über uns
 
NWZonline.de Region Ammerland Gemeinden Bad Zwischenahn

Ausstellung: Vor dem Vergessen bewahren

23.04.2016

Bad Zwischenahn Etwa 9,2 Millionen Deutsche mussten zum Ende des Zweiten Weltkriegs ihre Heimatdörfer und -städte in Ostpreußen, Westpreußen, Pommern, Schlesien, Danzig, Ostbrandenburg und im Sudetenland verlassen. Rund 1,4 Millionen von ihnen, vor allem Frauen, Kinder, Alte und Kranke, kamen auf der Flucht ums Leben.

Idis Hartmann war vier Jahre alt, als sie mit ihrer Mutter aus dem schlesischen Dorf Langenöls bei Lauban vertrieben wurde. Sie flüchteten 200 Kilometer zu Fuß zur Großmutter, die bei Leipzig in Sachsen wohnte. Als der Großvater an Tuberkulose erkrankte, wurde das Kind nach Süddeutschland geschickt.

Bunte Stickereien

„Schwäbisch und Alemannisch waren die ersten Fremdsprachen, die ich in der Schule lernte“, erzählt die heute 75-Jährige. Achtmal sollte sie noch die Schule wechseln, bis sie Abitur machte. Sie studierte in Tübingen, Berlin, Basel und London, wo sie auch promovierte. Seit 1995 leitet Idis Hartmann das Museum Ostdeutsche Kulturgeschichte in Bad Zwischenahn – ehrenamtlich.

Das kleine Museum im ehemaligen Polizeigebäude hat sich der Pflege und dem Erhalt ostdeutschen Kulturguts verschrieben. Aber nicht nur das, als außerschulischer Lernort will es den gesamtgeschichtlichen Zusammenhang vermitteln. „Das ist mit einem Kleiderbügel aus Königsberg nicht getan“, unterstreicht Dr. Gerd Burmeister, Vorsitzender des Museumsvereins.

Die Dauerausstellung widmet sich jeder ostdeutschen Provinz und stellt den Beitrag von Vertriebenen am Wiederaufbau Deutschlands in der Nachkriegszeit heraus. Ein Beispiel dafür ist Kurt Rauffus, der nach dem Krieg die Wurstfabrik Rügenwalder Mühle in Bad Zwischenahn wieder aufbaute, die Carl Wilhelm Müller 1834 in Rügenwalde in Hinterpommern gegründet hatte.

„Rügenwalde war das älteste Seebad Preußens“, erklärt Idis Hartmann. Bekanntestes Bauwerk ist die Marienkirche, ein gotischer Bau aus dem 14. Jahrhundert, mit dem berühmten Silberaltar.

Beim Gang durch die Räume werden sich noch weitere Wissenslücken schließen. Wer weiß denn schon, dass der Zwischenahner Maler Friedrich Schwarting (1883–1918) an der Restaurierung der Marienburg, der größten deutschen Ordensburg, südöstlich von Danzig beteiligt war.

Wir wandern weiter durchs kleine Museum und stoßen auf eine besondere Augenweide: Stickereien aus der Kaschubei, einer Region im östlichsten Teil der Pommerschen Seenplatte. „Um 1900 gab es neun Stickschulen in der Kaschubei, die sich nur in der Farbgestaltung der Stickereien unterschieden“, erklärt Hartmann. Nach 1945 verlegten sich die Kaschuben auf die Porzellanmalerei, Muster und Farben des alten Kunsthandwerks blieben auf diese Weise bis heute erhalten.

Beliebtes Souvenir

Gerd Burmeister weist auf das Modell eines Kuren-Kahns. Mit Kuren-Kähnen, auch Keitelkähne genannt, gingen die Fischer auf dem Kurischen Haff in Ostpreußen auf Fischfang. Als Kure bezeichnete man das Schleppnetz. Typisch für die Kähne waren die Wimpel an der Mastspitze. Es waren die Herkunftszeichen der Boote, vergleichbar mit einem Autokennzeichen. Kähne mit schwarz-weißen Kuren-Wimpeln kamen von der Kurischen Nehrung, rot-weiße aus den Haff-Dörfern, blau-weiße vom Südufer des Haffs. „Mit der Einführung des Seefunks wurden die Wimpel überflüssig“, erzählt die Museumsleiterin, „aber bei Touristen sind sie bis heute ein beliebtes Souvenir.“

Das Modell des Kuren-Kahns hat sogar das Interesse von Studenten der Technischen Hochschule Danzig erregt. Sie waren schon mehrere Male zu Gast und haben Maß genommen.

Eine einzigartige Miniatursammlung, die an Puppen alle schlesischen Trachten zeigt, befindet sich im Obergeschoss. Ins Auge fällt besonders die Hirschberger Tracht mit einem Schultertuch aus Schleierleinen, das im 17. Jahrhundert so wertvoll wie Gold war. „Die Hirschberger Stickerei war Deutschlands Beitrag bei der Weltausstellung 1889 in Philadelphia“, erzählt Hartmann. Japan kaufte damals den kompletten deutschen Pavillon, somit befindet sich die größte Sammlung Hirschberger Stickereien heute in Tokio.

Auch an das stickende Dorf Schönwald erinnert das Museum. Die etwa 800 Einwohner stickten auf schwarzem Samt ohne Vorlage. Dass die Stickereien nicht in Vergessenheit geraten sind, ist einer Frau aus Schönwald zu verdanken, die es nach 1945 ins Emsland verschlagen hatte.

Schlesien war überdies die wichtigste Porzellanregion Deutschlands vor dem Zweiten Weltkrieg. „In Meißen wurde das Porzellan erfunden, in Schlesien wurde es gemacht“, sagt Hartmann.

Nach 1945 machten sich Porzellan-Firmen wie Arzberg, Rosenthal und Hutschenreuther das schlesische Know-how zunutze. „So funktioniert Integration“, unterstreicht Burmeister.

Im Ammerland kamen im März 1945 die ersten Vertriebenen aus den Ostgebieten an, 1950 waren 24,8 Prozent (18 327) der Bevölkerung des Ammerlandes Vertriebene, im Oldenburger Land betrug ihr Anteil nach Schätzungen zwischen 20 und 28 Prozent in den 50er Jahren.

Die Dauerausstellung im Museum Ostdeutsche Kulturgeschichte (Auf dem Winkel 8) in Bad Zwischenahn ist dienstags bis sonntags von 15 bis 18 Uhr geöffnet (im Winterhalbjahr von Oktober bis 1. April 14–17 Uhr). Das Museum zählt jährlich etwa 3000 Besucher, Gruppenführungen werden nach Anmeldung unter Telefon  04403/4130 angeboten.

Breslau,Europäische Kulturhauptstadt 2016 und viertgrößte Stadt Polens, steht im Mittelpunkt der aktuellen Sonderausstellung, die noch bis zum 12. Juni zu sehen ist.

An jedem ersten Mittwoch im Monat findet um 15 Uhr im Museum ein Klönschnack statt, der offen für alle ist.

Lore Timme-Hänsel Redakteurin / Kulturredaktion
Rufen Sie mich an:
0441 9988 2065
Meine Themen: Verpassen Sie keine für Sie wichtige Meldung mehr!

So erstellen Sie sich Ihre persönliche Nachrichtenseite:

  1. Registrieren Sie sich auf NWZonline bzw. melden Sie sich an, wenn Sie schon einen Zugang haben.
  2. Unter jedem Artikel finden Sie ausgewählte Themen, denen Sie folgen können.
  3. Per Klick aktivieren Sie ein Thema, die Auswahl färbt sich blau. Sie können es jederzeit auch wieder per Klick deaktivieren.
  4. Nun finden Sie auf Ihrer persönlichen Übersichtsseite alle passenden Artikel zu Ihrer Auswahl.

Ihre Meinung über 

Hinweis: Unsere Kommentarfunktion nutzt das Plug-In „DISQUS“ vom Betreiber DISQUS Inc., 717 Market St., San Francisco, CA 94103, USA, die für die Verarbeitung der Kommentare verantwortlich sind. Wir greifen nur bei Nutzerbeschwerden über Verstöße der Netiquette in den Dialog ein, können aber keine personenbezogenen Informationen des Nutzers einsehen oder verarbeiten.