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Planung: Anwohner suchen Gehör bei Gemeinde

08.11.2013

Barßel Anke Bölts ist sauer. Für sie sei die alte Rotbuche vor dem „Klinkerhaus“ an der Lange Straße im Ortskern Barßels nicht wegzudenken. „Wir sind alle etwas hilflos“, erzählt die Barßelerin, während sie vor dem Rathaus auf den Bürgermeister wartet. Sie fürchtet, dass der Investor, der derzeit das Haus abreißen lässt, die Motorsäge ansetzen wird.

Gut 25 Einwohner hatten sich am Mittwochabend unmittelbar vor der Sitzung des Verwaltungsausschusses vor dem Rathaus versammelt, um gemeinsam Bürgermeister Bernd Schulte ihre Bedenken vorzutragen und das Gemeindeoberhaupt zur Rede zu stellen. Wie berichtet, weicht das Traditionshaus des ehemaligen Tierarztes und Bürgermeisters von Barßel, Theodor Klinker, einem Neubau. Der Metjendorfer Investor Hoppmann plant dort ein Wohn- und Geschäftshaus, in das unter anderem die Landessparkasse zu Oldenburg einziehen wird. Die Abrissarbeiten des Klinkerhauses laufen bereits. Am Mittwoch berichtete die NWZ  exklusiv über ein Gutachten, das bescheinigt: Die Buche müsse gefällt werden.

Fehlende Transparenz

Ihm liege ein Gutachten vor, bestätigte Bürgermeister Bernd Schulte gegenüber den Anwohnern. Jedoch erst seit Dienstagabend. Der Investor hatte das Gutachten in Auftrag gegeben. Aus diesem Gutachten gehe hervor, „dass der Baum geschädigt und nicht zu halten ist“. Noch sei dieses Thema „in den Gremien überhaupt nicht beraten worden“, so Schulte. Auch die Gemeinde würde den Baum gerne erhalten, „bloß wenn der Baum nicht mehr haltbar ist und etwas passiert, wer ist dann haftbar?“.

Wenn ein Sachverständiger sage, dass der Baum nicht mehr standsicher sei, werde er dies nicht ignorieren, so Schulte. „Dieser Baum ist krank, das muss man leider akzeptieren. Auch wenn das Ergebnis des Gutachtens nicht so ist, wie es sich alle wünschen.“ Wenn der Landkreis die Gemeinde Barßel zu einer Stellungnahme bitten wird, werde sie eine abgeben.

Die Bürger seien enttäuscht von der fehlenden Transparenz seitens der Gemeinde, trug Grünen-Vertreter und Einwohner Manfred Lorentschat dem Bürgermeister vor dem Eingang des Rathauses vor. Er bedauere, erst aus der Presse von einem Gutachten erfahren zu haben. Der Barßeler forderte von der Kommune ein unabhängiges Gegengutachten.

Das vorliegende Gutachten sei von einem unabhängigen Sachverständigen erstellt worden, erklärte Schulte. Den Anwohnern stehe es frei, selbst einen Sachverständigen zu Rate zu ziehen.

Das Ergebnis halte er für unbefriedigend, bedauerte Manfred Lorentschat nach dem Gespräch mit dem Bürgermeister. Es könne nicht sein, dass die Bürger selbst ein Gutachten in Auftrag geben müssen. „Wir wünschen uns, dass die Politik uns stützt.“

„Ich habe Angst, dass der Baum in den nächsten Tagen plötzlich weg ist“, sagte Anwohnerin Andrea Blömer. Sie wisse, dass ein Baum, der Probleme mit sich trage, auch behandelt werden müsse. „Aber fällen muss man ihn deswegen nicht.“

Bereits im Vorfeld der Baumaßnahmen hätte ein Biologe eingeschaltet werden müssen, „um zu schauen, wie der Baum zu schützen ist“, bemängelte Johann Stachowiak. Die Barßelerin Sibylle Minnert lebt noch nicht lange in der Gemeinde. Doch auch sie könne sich ein Ortsbild ohne die alte Buche schwer vorstellen. „Strukturen wie diese müssen für die Nachwelt erhalten bleiben. Wir sprechen für viele Bürger.“

Weniger optimistisch zeigte sich vor Ort Stefan Westerkamp vom gleichnamigen Barßeler Gartenbaubetrieb. Er bezweifle, dass der Baum aufgrund seiner Schäden langfristig erhalten werden könne.

Investor Gerald Hoppmann bestätigte am Donnerstag auf Anfrage der NWZ , dass der Baum „stark beschädigt“ sei. „Der Baum muss kurzfristig entfernt werden, am besten so schnell wie möglich.“ Das Sachverständigen-Gutachten, das er vor gut zwei Wochen in Auftrag gegeben habe, stufe den Baum „als abgängig“ und „nicht mehr stand- und bruchsicher“ ein. „Ich bin keiner, der irgendwelche Bäume fällt. Aber ich kann das Risiko nicht auf mich nehmen“, sagte der Metjendorfer Unternehmer. Er verstehe die Sorge der Anwohner, doch „der Baum ist wirklich kaputt.“ Der Stamm sei teilweise „vergammelt“ und der Ast zum Gehweg hin „fast komplett morsch“. Die Ergebnisse des Sachverständigen wolle er nicht verschlossen halten, so Hoppmann. Die Öffentlichkeit könne „das Gutachten gerne einsehen“.

Frage der Haftung

Er habe als Eigentümer des Grundstückes die Versicherungspflicht für den Baum und sei somit haftbar, sagte Hoppmann. Auch er hätte sich gewünscht, den Baum zu halten. „Darauf haben wir die ganze Planung abgestellt.“ So sei beispielsweise der Eingangsbereich des künftigen Neubaus auf die Ecke gesetzt worden, um den unmittelbar vor dem Haus stehenden Baum erhalten zu können.

Bislang liege dem Landkreis weder das Gutachten noch ein entsprechender Befreiungsantrag vor, sagte Kreissprecher Frank Beumker am Donnerstag gegenüber der NWZ . Sobald jedoch „Gefahr in Verzug ist“ und der Baum nicht mehr haltbar sei, könne der Eigentümer in Eigenverantwortung mit dem Sachverständigen über eine Fällung des Baumes entscheiden, sagte Beumker. Ottmar Freymuth, Bauleiter der Firma Hoppmann, erklärte, dass der beauftragte Sachverständige in Kürze klären soll, ob „Gefahr in Verzug“ bestehe.

Er habe das Gutachten den Fraktionen zur Kenntnis gegeben, sagte Bürgermeister Bernd Schulte am Donnerstag. Indessen kündigte Andrea Blömer an, sich mit weiteren Barßelern über ein eigenes Gutachten zu beraten.


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Melanie Jepsen Varel / Redaktion Friesland
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