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Umwelt: „Wir haben alles probiert“

15.11.2013

Barßel Sie habe einen Aufschrei gehört, dann sei sie hingelaufen, erzählt die Barßelerin Annelie Zabel. Nur wenige Meter neben ihr liegt die mehr als 100 Jahre alte Buche. Auf den Baumstumpf des „Klinkerbaums“ an der Lange Straße haben Anwohner Kerzen und Grablichter gestellt. Immer wieder halten Passanten an. Schnell hat sich herumgesprochen, dass die Buche an der Lange Straße gefällt wurde. Während die meisten noch schliefen, setzten kurz vor 5 Uhr in der Früh Arbeiter die Motorsäge an. Wenige Minuten später war der Baum gefallen.

„Wir haben alles probiert“, sagt Manfred Lorentschat, Grünen-Vertreter und Anwohner. Fassungslos steht er zusammen mit gut 20 weiteren Anwohnern vor dem Grundstück des Traditionshauses des ehemaligen Tierarztes und Bürgermeisters von Barßel, Theodor Klinker. Der Metjendorfer Investor Gerald Hoppmann plant dort einen Neubau, in den unter anderem auch die Landessparkasse zu Oldenburg einziehen wird (die NWZ  berichtete).

Aus dem Schlaf gerissen

Die Anwohner hatten bis zuletzt versucht, den Baum zu erhalten, sagt Lorentschat. „Wir hätten uns ein Gegengutachten seitens der Gemeinde gewünscht. Heute Morgen wollten wir den Baum besetzen.“ Er sei enttäuscht und sauer, dass der Investor den Baum noch im Dunkeln habe fällen lassen. Viele Nachbarn seien aus dem Schlaf gerissen worden, so Lorentschat. Sobald „Gefahr im Verzug“ nachgewiesen ist, sei eine Fällung auch zu diesen Tageszeiten rechtlich erlaubt, erklärt Frank Beumker, Presssprecher des Landkreises gegenüber der NWZ .

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Kein faires Verhalten

„Wir wussten schon, dass der Baum früh gefällt werden sollte, aber noch bevor der Hahn kräht ist heftig“, sagt Anke Bölts. Sie hatte vergebens versucht auf eigene Kosten ein Gegengutachten in Auftrag zu geben. „Mit Engelszunge habe ich den Investor angefleht. Aber er hat es total abgelehnt.“ Der Metjendorfer habe es ihr verboten, das Grundstück zu betreten. Noch am Mittwoch hatte sie über ihren Anwalt den Investor zu einer Stellungnahme gebeten, um Zeit für ein Gegengutachten zu gewinnen – ohne Erfolg, sagt Anke Bölts.

Die Interessenvertretung hatte einen Tag vor der Fällaktion am Mittwochabend die Bevölkerung noch zu einer Trauerfeier am Klinkerbaum aufgerufen. Gut 100 Menschen waren gekommen und viele von ihnen stellten ein Grablicht rund um den Baum auf. Lautstark und aufgewühlt zeigten sie ihren Unmut.

Hoffnung auf Rettung des Baumes hatten sie auch noch in Bürgermeister Bernd Schulte gesetzt. Der versprach während der Trauerfeier, am Donnerstagvormittag noch einmal das Gespräch mit dem Bauunternehmer zu suchen. Rechtlich könne man das Fällen aber nicht verhindern, stellte Schulte klar. Nicht in Zweifel ziehen wollte Barßels Bürgermeister das Gutachten des öffentlich bestellten Sachverständigen. „Der wird sich hüten, der Firma Hoppmann ein Gefälligkeitsgutachten auszustellen. Dann ist er seine Lizenz los“, widersprach Schulte einigen aufgebrachten Bürgern, die von einer „Gefälligkeit“ sprachen. Auch die Gemeinde bedauere das Fällen.

Sichtlich überrascht steht am Donnerstag kurz nach 8 Uhr Bürgermeister Schulte vor dem einstigen „Klinkerbaum“. „Heute Morgen wollte ich den Investor anrufen,“ so Schulte. Er habe aus dem Radio von der bereits vollzogenen Fällung erfahren, sagt das Gemeindeoberhaupt, während Arbeiter die Buche Ast für Ast zersägen.

„Der ist kerngesund, der hätte noch Jahre überlebt“, ruft Anwohnerin Andrea Blömer, als das Innere des Baumstammes immer mehr zum Vorschein kommt. „Das ist eine Schweinerei.“

Viele Jahre habe er in Barßel gewohnt, sagt der Student Meinhard Meiners-Hagen. Er habe durch die Anwohner von der Fällung des Baumes erfahren. „Ich wollte mich an den Baum anketten“, sagt er. Mit der Nacht-und-Nebelaktion habe er nicht gerechnet. „Es ist ein herber Verlust für Barßel.“

Ersatzpflanzung für Baum

Das Sachverständigen- Gutachten bescheinige, dass „Gefahr im Verzug“ bestehe, verteidigt Ottmar Freymuth, Bauleiter des Metjendorfer Unternehmens, die Fällung. Bereits ein erstes Gutachten hatte den Baum „als abgängig“ und „nicht mehr stand- und bruchsicher“ eingestuft (die NWZ  berichtete). In Absprache mit der Gemeinde und dem Landkreis wolle das Unternehmen Ersatzpflanzungen vornehmen, sagt Freymuth.

„Meines Erachtens hat der Bürgermeister es versäumt, sich hervorzutun“, sagt Lorentschat. Es gehe „eine ganze Menge Flair für die Gemeinde verloren. Ersatzpflanzungen müssten dem Wert des Baumes entsprechen.“


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Melanie Jepsen Varel / Redaktion Friesland
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