Bamberg - Das Beben bei Brose Bamberg hat Liga-Boss Stefan Holz kalt erwischt. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagte der Geschäftsführer der Basketball Bundesliga (BBL) am Donnerstag. Die Insolvenzgefahr beim langjährigen Vorzeigeclub und die plötzliche Trennung von Geschäftsführer Rolf Beyer hatten sich nicht abgezeichnet. Das Vorgehen des neunmaligen deutschen Meisters irritierte Holz zusätzlich.

Dass die Bamberger selber von einer drohenden Pleite sprechen, gefällt Holz gar nicht. „Es ist nicht nachvollziehbar, dass sie unabgestimmt mit dem I-Wort hantieren“, sagte er. Holz erwartet wie der Gutachter und der Lizenzierungsausschuss der Liga nun weitere Informationen zur aktuellen Lage in Bamberg. Über etwaige Konsequenzen – die von Geldstrafen über Punktabzug bis zum Lizenzentzug reichen können – wollte er noch nicht sprechen.

Der Tabellenvierte Bamberg hatte die Basketball-Szene am Mittwochabend mit einer Pressemitteilung geschockt. Nach eigenen Angaben kann der Club nur durch außerplanmäßige finanzielle Hilfeleistungen von der Brose Gruppe und des Aufsichtsratsvorsitzenden Michael Stoschek vor einer Insolvenz bewahrt werden.

Bamberg hatte zudem mit sofortiger Wirkung die Trennung von Beyer bekanntgegeben. Als Grund wurden „finanzielle Unregelmäßigkeiten“ angeführt. Beyer, unter dem der Club seit 2014 drei Meistertitel und einen Pokalsieg holte, sollte seinen Posten eigentlich erst zum Jahresende räumen.

Bis zum Amtsantritt von Arne Dirks, der die Arbeit im neuen Jahr aufnehmen wird, fungiert Niklas Beyes als Geschäftsführer. Dirks ist derzeit Geschäftsführer der Deutschen Volleyball Sport GmbH, Beyes eigentlich Kaufmännischer Geschäftsführer der Brose Gruppe, Hauptsponsor und Namensgeber des Clubs.

Dass Bamberg sparen muss, ist nicht neu. Nach der Ablösung durch Bayern München als deutsche Nummer eins und dem Verpassen der Euroleague hatte Beyer im Sommer das Zücken des Rotstifts angekündigt. Der Etat sank von rund 22 auf etwa 14 Millionen Euro. „Wir werden uns 2018/19 konsolidieren“, sagte er damals und sprach von einem „nicht existenziellen“ Problem. Offenbar hat sich die Situation seitdem dramatisch verschlechtert.

Diese Entwicklung sah auch Thomas Braumann, der Vorsitzende des Lizenzierungsausschusses, nicht kommen. „Die Unterlagen sind im April eingereicht und für gut befunden worden“, sagte Braumann: „Sie haben die Lizenz ohne Auflagen bekommen.“ Zuletzt hat Brose Bamberg der Liga im Oktober berichtet, da offenbarte sich die Schieflage noch nicht. „Im Lizenzstatut ist verankert, dass die Clubs rechtzeitig mitteilen müssen, wenn etwas nicht in Ordnung ist“, so Braumann. Die zuständigen Kommissionen werden prüfen, ob Bamberg sich an alle Vorgaben gehalten hat.