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NWZonline.de Sport Basketball

Basketball: Alarmstimmung beim Meister

30.01.2018

Bamberg /Bonn Es geht immer um einen größeren Schaden, wenn der Geschäftsführer öffentlich um Entschuldigung bitten muss. Bei Basketball-Bundesligist Brose Bamberg ist das nicht anders als bei einem Unternehmen aus der Automobilbranche. „Unser Basketballherz hat einen Stich bekommen“, sagte Rolf Beyer am Sonntagabend nach dem peinlichen 69:106 bei den Baskets Bonn und bat die mitgereisten Fans um Verzeihung. Für die erfolgsverwöhnten Bamberger war es die höchste Bundesliga-Niederlage seit mehr als 17 Jahren.

Seltenes Debakel

Für Bambergs Bundesliga-Basketballer war das 69:106-Debakel in Bonn die höchste Erstliga-Niederlage seit mehr als 17 Jahren. Am 12. November 2000 war der Club – damals noch unter dem Namen TSK universa Bamberg – mit 57 Punkten Differenz bei Bayer Leverkusen untergegangen (71:128). In Bonn waren es „nur“ 37 Zähler Unterschied. In der Ära Andrea Trinchieri, der derzeit verletzt pausierende Italiener ist seit der Saison 2014/15 Trainer der Franken, war es die zweithöchste Pleite. Im Eurocup hatte Bamberg am 14. Januar 2015 ein 52:90 gegen Bayern München kassiert (-38).

„Es war eine Schande, wie wir heute aufgetreten sind. Jeder Einzelne muss sich hinterfragen. So kann und darf ein deutscher Meister nicht spielen“, sagte Ilias Kantzouris. Der Assistent vertritt Cheftrainer Andrea Trinchieri wegen dessen Reha nach einer Schulter-OP. Für den Italiener war der Sonntagabend vor dem Bildschirm unabhängig vom Heilungsverlauf schmerzhaft.

Bamberg ließ sich von Bonn, an diesem Samstag (20.30 Uhr) zu Gast bei den EWE Baskets Oldenburg, nach allen Regeln der Kunst vorführen. Schon Mitte des zweiten Viertels (18:45/16. Minute) war das Spiel praktisch verloren. Gegenwehr? Fehlanzeige.

„Die Art und Weise, wie die Niederlage zustande gekommen ist und wie sich unsere Mannschaft in Bonn präsentiert hat, entspricht nicht dem Selbstverständnis von Brose Bamberg“, stellte Beyer klar und kündigte eine schonungslose Analyse an.

Der Serienmeister, im Vorjahr Double-Gewinner, steckt in einer tiefen Krise. Im Pokal ist der Titelverteidiger nach der knappen Niederlage bei Bayern München (97:101 n.V.) draußen, in der Euroleague ist das Viertelfinale realistisch betrachtet nicht mehr zu erreichen. Und in der Bundesliga sind nach der siebten Saisonniederlage sogar die Playoffs in Gefahr: Bamberg ist als Siebter punktgleich mit dem Tabellenneunten aus Frankfurt.

Die vielen Partien im aufgeblähten Spielplan der Euroleague wollte Routinier Nikos Zisis nicht als Ausrede gelten lassen. „Inakzeptabel“ sei die Vorstellung in Bonn gewesen, meinte der Grieche. Klar ist: Der Verlust von zahlreichen Leistungsträgern nach der vergangenen Saison konnte nicht kompensiert werden. So wurde der frühere NBA-Profi Quincy Miller nach wenigen Monaten wieder abgegeben, Schlüsselspieler Ricky Hickman fehlt die Konstanz.

Hinzu kommen die Personalprobleme. So fehlen die Langzeitverletzten Elias Harris, Luka Mitrovic und Bryce Taylor, vor dem Spiel in Bonn meldete sich auch noch Daniel Hackett ab, für Leon Radosevic kam im zweiten Viertel das Aus. Der Center knickte um und zog sich eine Verstauchung des Knöchels zu, wie der Club mitteilte.

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Christopher Deeken Redakteur / Sportredaktion
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