Oldenburg - Während neben dem Gebäude bereits die ersten Fans zur großen EWE-Arena zum Pokal-Finalturnier gingen, wurde am Sonnabendmittag in der Zentrale der Landessparkasse zu Oldenburg beim „Basketball-Forum“ erst einmal facettenreich über Entwicklungen und Chancen der Sportart in Deutschland diskutiert. Rund um Moderator Frank Buschmann waren sich die Teilnehmer einig: Der Basketball hat hierzulande bereits viel erreicht, weist im europäischen Vergleich aber auch noch großen Nachholbedarf auf. Doch wie dieser Rückstand zu kompensieren sei, darüber gingen die Meinungen auseinander.
Wolfgang Brenscheidt, Generalsekretär des Deutschen Basketball-Bundes (DBB), forderte mehr Spieltermine für die Nationalmannschaft. Die müsse ihr Profil schärfen und als Aushängeschild sichtbarer werden. Das wiederum rief bei Jan Pommer, Geschäftsführer des Ligaverbandes BBL, Widerworte hervor. Der Spielkalender sei bereits jetzt voll, zudem würden die Spieler ausschließlich von den Vereinen bezahlt. Die Bundesligisten seien daher nicht bereit, ihre Nationalspieler für weitere Partien abzustellen.
Ex-Nationalspieler Henning Harnisch, als Vizepräsident von Alba Berlin für die Jugendarbeit der Hauptstädter verantwortlich, wies auf den Rückstand gegenüber anderen Nationen hin. In Deutschland würden etwa 19 800 Kinder unter zwölf Jahren Basketball im Verein spielen. In Frankreich und Italien, wo die Sportart jeweils einen deutlich höheren Stellenwert genießt, seien es zwischen 150 000 und 200 000. Und dieser Unterschied schlage sich später auch in der Stärke der Nationalmannschaften und der Vereinsteams nieder. In Deutschland sei es nötig, auch über die Schulen Basketball populärer bei Kindern und Jugendlichen zu machen.
Eben jene Jugendarbeit sei für den Versorger EWE eine Bedingung, sich beim Bundesligisten Baskets Oldenburg als Haupt- und Namenssponsor zu engagieren, erklärte Peter Göttelmann, Leiter des Konzernmarketings. Erfolge wie die deutsche Meisterschaft 2009 würden die Bekanntheit deutlich steigern. Die schrittweise und erfreuliche Entwicklung müsse aber aus Sicht des Sponsors immer mit der Bindung an die Region verbunden bleiben.
Dass seit Saisonbeginn alle Bundesliga-Partien von der Telekom live im Internet übertragen werden, sei für die BBL ein riesiger Fortschritt, erklärte Kai Zimmermann, Geschäftsführer des Fachmagazins „Big“. Der für seine Direktheit bekannte Buschmann griff das Thema auf und fragte Göttelmann, wie er diese Kooperation denn sehe – schließlich sei die EWE im Telekommunikationsbereich ja Konkurrent der Telekom. „Natürlich ist dies ein Eingriff in die Wettbewerbssituation“, sagte Göttelmann recht diplomatisch: „Ein Wachstumsprozess wirft immer auch Fragen auf – das ist ganz normal.“
Dass die deutschen Spieler bei deutschen Mannschaften keineswegs immer Leistungsträger seien, unterstrich Zimmermann. Beim wichtigen Euroleague-Spiel von Alba Berlin am Donnerstag gegen Maccabi Tel Aviv seien bei der 64:73-Niederlage der Berliner lediglich zwei Punkte von deutschen Spielern erzielt worden. „Basketball kann nur über bekannte Gesichter wachsen“, sagte er: „Da brauchen alle Beteiligten noch viel Geduld.“
