Oldenburg - „Kämpfen Baskets, kämpfen!“, schallte es aus dem Fanblock der EWE Baskets, in dem – wie immer komplett in Gelb gekleidet und Fahnen schwenkend – die treusten Anhänger der Oldenburger merkten, dass sie dringend gebraucht wurden. Auf dem Parkett hatte ihre Mannschaft seit einigen Minuten die Kontrolle verloren und sich vom Basketball-Bundesligisten Riesen Ludwigsburg den Schneid abkaufen lassen.

Dass es am Samstagabend nach einer hochintensiven Begegnung trotzdem zum 75:63 (35:44)-Erfolg gegen den direkten Konkurrenten im Kampf um die Playoff-Teilnahme reichte, lag zum einen an der unermüdlichen Unterstützung der 5618 Zuschauer in der großen Arena, die dem Team nicht nur in der schwächsten Phase kurz vor der Halbzeit Mut zuriefen. Zum anderen nahmen die Oldenburger Spieler im Lauf der Partie den Kampf mit den Ludwigsburgern an und hielten dagegen.

„Wir haben verstanden, wie wir gegen die aggressive Defense von Ludwigsburg spielen müssen und wie wir verteidigen müssen“, lobte Baskets-Trainer Mladen Drijencic die Anpassungsfähigkeit seiner Mannschaft, die sich nach einem fulminanten Start (27:19 nach dem ersten Viertel) plötzlich heftiger Gegenwehr ausgesetzt sah.

Ab Beginn des zweiten Abschnitts packten die Gäste auf dem Feld richtig zu und brachten die bis dahin bestimmt aufspielenden Baskets aus dem Konzept. Unter dem Korb ähnelte das Spiel zeitweise einem Ringkampf, da beide Seite schoben und drückten, was das Zeug hielt. Leidtragender war unter anderem Jannik Freese, der von Gegenspieler Jack Cooley mit einem Unsportlichen Foul zu Boden gebracht wurde.

Die Ludwigsburger drückten der Partie ihren Stempel auf und profitierten von der harten Spielweise. Durch zahlreiche Wirkungstreffer reihten die Oldenburger Ballverluste aneinander und konnten kaum mehr in ihre Systeme kommen. Nach einem 12:0-Lauf bis zum 42:32 (19. Minute) für die Riesen steigerte das Publikum allerdings seine Frequenz bei den Anfeuerungsrufen – die Baskets folgten diesem Beispiel wenig später auf dem Parkett.

Defensiv waren die Oldenburger zu Beginn der zweiten Hälfte hellwach, offensiv bestanden sie vor allem aus Chris Kramer. Der Aufbauspieler, der auch in den ersten 20 Minuten der Aktivposten gewesen war, sorgte mit zwei Dreiern zum 43:47 (23.) für einen Motivationsschub und ging voran. Vor dem Schlussviertel betrug der Rückstand nur noch zwei Punkte (57:59).

Was nun folgte, war ein Beweis der Leidenschaft, die in den Baskets-Spielern steckt. Kapitän Rickey Paulding ließ sich nicht aufhalten und traf nach 34 Minuten zwei schwierige Würfe zur 64:62-Führung. Daran nahm sich Vaughn Duggins, der im zweiten Spiel nach seiner langen Verletzung zunächst blass geblieben war, ein Beispiel. Ohne Rücksicht auf Verluste ging er zum Korb und machte neun Punkte im letzten Abschnitt.

„Ich hatte das nicht von ihm erwartet, aber darauf gehofft. Duggins war erst unter seinem Level, hat sich aber selbst aus dem Loch rausgeholt“, sagte Drijencic. Dessen Leistung zeigt auch auf, was den Oldenburgern nach seiner Operation am Sprunggelenk monatelang gefehlt hatte.

Auch nach Spielende blieb es emotional. Paulding wurde mit einem Video dafür geehrt, dass er bereits seine zehnte Saison in Oldenburg spielt. Der 34-Jährige, seine Frau und die drei gemeinsamen Kinder verfolgten den Film über den Routinier gebannt auf dem Videowürfel. Die Aktion war ein Vorgriff auf das Heimspiel gegen den BBC Bayreuth am Samstag, 15. April (20.30 Uhr, große Arena), das unter dem Motto „Rickey Day“ steht.

Arne Erik Jürgens
Arne Erik Jürgens Thementeam Polizei/Justiz