Oldenburg - Erst sträubte sich Casper Ware ein wenig. Als die Pokalsieger der EWE Baskets am Montagmittag auf dem Oldenburger Marktplatz in Reih und Glied vor dem Mannschaftsbus standen, brauchte es jemanden, der den wartenden Fans als erster die Trophäe präsentiert. Nach kurzem Zögern schnappte sich Ware den Silberpott, trat ein paar Schritte nach vorn und reckte ihn unter dem Jubel der Anhänger in die Höhe.
Dahinter applaudierten die Mannschaftskollegen, die mit ihrer Wahl ein feines Gespür bewiesen hatten. Es war eine Geste der Anerkennung für ihren kleinen Spielmacher, der am Wochenende mit seinen Leistungen maßgeblich dazu beigetragen hatte, dass die Oldenburger zum ersten Mal in ihrer Clubgeschichte den deutschen Basketball-Pokal holten.
„Er hat unglaublich gut gespielt und war im Finale neben Philipp Neumann unser Schlüsselspieler“, sagte Baskets-Geschäftsführer Hermann Schüller am Dienstag über den US-Amerikaner, der kurz nach Saisonbeginn als Nachfolger von Tywain McKee verpflichtet worden war. Allerdings konnte der frühere NBA-Spieler die hohen Erwartungen nur selten erfüllen, vor allem sein übertriebener Eigensinn trieb Fans und Mitspieler regelmäßig zur Verzweiflung. Zuletzt wirkte Ware fast schon teilnahmslos, der 25-Jährige schien mit dem Kapitel Oldenburg abgeschlossen zu haben. „Er hat nicht das gezeigt, was er kann und hat sich nicht so eingebracht, wie wir uns das wünschen“, bestätigte Schüller.
Vor dem Pokal-Finalturnier nahm sich der Baskets-Chef seinen Aufbauspieler dann zur Brust. „Ich habe ihm klargemacht, wie wichtig dieses Turnier für den Club ist und dass sich der Mannschaft eine einmalige Chance bietet, die so nie wiederkommt. Ich habe von ihm nicht nur 100, sondern 120 Prozent Einsatz gefordert“, erklärte Schüller: „Casper hat genickt und mir sein Wort gegeben, dass er alles geben wird.“
Und Ware hielt Wort: Obwohl ihn Trainer Mladen Drijencic im Habfinale gegen Bonn wie schon in den vergangenen Wochen nicht für die Startformation nominierte, ließ sich der 25-Jährige nicht hängen, erzielte 14 Punkte und leitete in der zweiten Hälfte die Wende ein. „Casper hat verstanden, wie er unserem Spiel positive Impulse geben kann“, sagte Trainer Mladen Drijencic im Anschluss und belohnte seinen Spielmacher, indem er ihn im Finale gegen Bamberg von Beginn an aufs Parkett ließ.
Eine Entscheidung, die sich als goldrichtig erweisen sollte. Ware traf Dreier, zog unwiderstehlich zum Korb und setzte seine Mitspieler in Szene. Er machte mit den Bambergern was er wollte und erzielte in den ersten 20 Minuten elf Punkte, erst in der zweiten Halbzeit hatten sich die Franken besser auf den US-Amerikaner eingestellt. Aber auch da bewies Ware seinen Wert für das Team, kämpfte und gewann wichtige Bälle.
„Er ist jetzt angekommen“, meinte Schüller, widersprach aber Meldungen, wonach er Ware bereits einen Vertrag für die kommende Saison angeboten habe. „Das ist falsch“, sagte Schüller, der lieber den Blick auf den Endspurt in der Liga-Hauptrunde lenkt. „Jetzt geht es darum, dass die Jungs die Leistung vom Pokal-Wochenende bestätigen“, meinte er vor dem Heimspiel gegen Ulm an diesem Freitag (20 Uhr/Sport 1) in der großen Arena. Nach einer kleinen Pause ergänzte Schüller: „Das gilt auf für Casper.“
