Oldenburg -  

Herr Buschmann, was halten Sie von Darts?

Frank Buschmann (50)Ich bin begeisterter Darts-Fan! Vielleicht können das viele nicht nachvollziehen, aber ich schaue mir gerne dickbäuchige Männer an, die diese kleinen Pfeile mit einer unfassbaren Präzision auf die Scheibe werfen. Das ist ganz großes Kino!

Das Finale bei der Darts-WM Anfang des Jahres sahen bei Sport 1 im Schnitt 1,36 Millionen Zuschauer. Das Spiel in der Basketball-Bundesliga zwischen Oldenburg und Göttingen beim gleichen Sender lockte nur 50 000 Zuschauer vor die TV-Geräte. Trifft Sie das als Basketball-Fan nicht mitten ins Herz?

BuschmannDer Vergleich ist etwas unfair. Die Darts-WM hat sich zwischen Weihnachten und Neujahr als festes Event etabliert. Diesen einzigartigen Charakter haben normale Bundesligaspiele im Basketball eben nicht. Dennoch frustriert es mich nach wie vor, dass so wenig Menschen in Deutschland Basketball gucken. Das Thema beschäftigt mich schon seit 20 Jahren, eine richtige Erklärung habe ich bis heute nicht gefunden.

Jetzt haben Sie die Gelegenheit, ein Plädoyer für den Basketball zu halten!

Buschmann Das ist nicht schwer. Basketball ist die schnellste von allen Ballsportarten, es ist immer Attacke. Selbst wenn ein Team eine Minute vor Schluss mit zehn Punkten hinten liegt, kann sich eine Partie noch einmal drehen. Das macht für mich den Reiz des Basketballs aus.

Seit Saisonbeginn überträgt die Telekom alle Spiele live im Internet. Hat man sich von diesem Deal zu viel versprochen?

BuschmannDas Angebot der Telekom ist eine riesen Sache für alle Fans. Und das sage ich jetzt nicht, weil ich für den Sender arbeite, sondern weil ich glaube, dass dies der richtige Weg für den deutschen Basketball ist. Es muss ein Umdenken her, weg von der reinen Quote im TV. Stattdessen sollte man noch viel mehr auf die Möglichkeiten des Internets setzen, um Menschen für Basketball zu begeistern.

Mit dem ZDF überträgt in diesem Jahr zum ersten Mal ein öffentlich-rechtlicher Sender das Pokalfinale live. Nur ein Tropfen auf den heißen Stein also?

BuschmannNatürlich ist das eine großartige Geschichte. Dennoch wird das den Basketball in diesem Land nicht schlagartig drei Schritte voranbringen, das zeigen mir die Erfahrungen aus der Vergangenheit. Wir hatten die Euphorie nach dem EM-Titel der Nationalmannschaft 1993, Anfang der 2000er den Dirk-Nowitzki-Boom – nur nachhaltig war das alles nicht.

Kommen wir zum Top Four in Oldenburg. Was für eine Stimmung erwarten Sie bei dem Turnier?

BuschmannDas hängt davon ab, was der Gastgeber macht. Wenn Oldenburg das Finale erreicht, können wir uns auf richtig Rammelbammel in der Arena freuen.

Wer ist Ihr Favorit auf den Titel?

BuschmannAuch auf die Gefahr hin, dass ich mich bei den Oldenburgern unbeliebt mache: Aber ich denke, dass der Sieger des Halbfinals zwischen Bamberg und Berlin den Titel holen wird.

In Oldenburg gab es vor Kurzem einen Trainerwechsel. Was halten Sie von Mladen Drijencic?

BuschmannIch kannte ihn vorher nicht. Deswegen fällt es mir schwer zu sagen, ob er nun die Wende herbeiführen wird. Von außen betrachtet macht er einen sympathischen Eindruck, der viel mit den Spielern spricht und versucht, sie aufzubauen. Ich möchte aber auch sagen, dass ich es schade finde, wie es für Sebastian Machowski in Oldenburg zu Ende gegangen ist. Ich habe ihn immer als ausgesprochen angenehmen Gesprächspartner erlebt.

Sie werden in Oldenburg einen Basketball-Talk moderieren. Dabei wird es um das Ziel der BBL, 2020 die beste Liga Europas zu sein, gehen. Ist das realistisch?

BuschmannWas Wirtschaftlichkeit und Professionalität angeht, sehe ich die BBL auf einem guten Weg. Sportlich habe ich da aber so meine Zweifel. Man sieht ja, wie schwer sich die deutschen Spitzenclubs im Europapokal tun. Was Alba in diesem Jahr in der Euroleague leistet, ist ja die Ausnahme. Ich bin der Meinung, dass man mittelfristig nicht um eine Verkleinerung der Liga herumkommt. 18 Teams sind einfach zu viel.

Die Gesprächsrunde trägt den Namen „Erstes deutsches Basketball-Forum“. Das klingt ganz schön bedeutungsschwanger. Nun sind Sie eher für Ihre bisweilen flapsige Art bekannt. Mal ehrlich: Können Sie überhaupt seriös?

Buschmann(lacht) Ich kann viel seriöser, als Sie denken. Aber klar, das soll keine bierernste Veranstaltung werden, schließlich geht es immer noch um Sport. Trotzdem dürfen alle beruhigt sein: Es wird sicherlich keine reine Buschi-Show.