Hamburg - Wer in Hamburg „Towers“ sagt, muss auch Marvin Willoughby sagen. Der 39-Jährige ist das prägende Gesicht des Hamburger Basketball-Aufschwungs der vergangenen Jahre. 2014 gegründet, spielen die „Türme“ in der zweithöchsten deutschen Liga, der Pro A. Seit einigen Tagen läuft der Film „Starting 5“ in den Kinos, eine Dokumentation über den Club aus dem Hamburger Stadtteil Wilhelmsburg.
Willoughby ist Manager der Towers. Er wuchs zu Zeiten in Wilhelmsburg auf, in denen der Stadtteil für viele Menschen noch gleichbedeutend mit Kriminalität und Perspektivlosigkeit war. Mit 14 fing er an Basketball zu spielen, nur zwei Jahre später war er Junioren-Nationalspieler und machte in Würzburg an der Seite eines gewissen Dirk Nowitzki und später in Köln Karriere. Seither gilt er in Hamburgs Brennpunkten als Vorbild und Respektsperson. Mit den Towers geht er in Hamburger Schulen, um Kinder von der Straße zu holen und ihnen durch den Basketball neue Wege aufzuzeigen. Wegen seines sozialen Engagements wurde er 2015 sogar mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Aber ob Sozialarbeiter oder Manager – seinen Job sieht Willoughby nicht als solchen: „Ich habe einfach Spaß daran und ja nie was anderes als Basketball gemacht. Außerdem ist es meine Heimat. Wir versuchen einfach, das Elitäre mit dem Menschlichen zu verbinden.“
Seit gut drei Jahren hetzt Willoughby dafür von einem Termin zum anderen, um allen vom Projekt Hamburg Towers zu berichten und so viele Menschen und Sponsoren wie möglich davon zu überzeugen, was sich da in der Inselparkhalle entwickelt. Gemeinsam mit seinem langjährigen Freund Jan Fischer arbeitet er seit nunmehr elf Jahren an dem Projekt. Auch deswegen zeigt der Kinofilm für ihn nur einen kleinen Teil der Geschichte: „Der Weg war so lang, dass man in eineinhalb Stunden nicht alles zeigen kann. Außerdem handelt der Film nur von der zweiten Saison. Trotzdem ist das natürlich eine riesengroße Sache für uns. In 20 Jahren werde ich mir den Film noch mal angucken und vermutlich erst dann realisieren, was wir geschafft haben.“
Bis dahin führt es den ehemaligen Nationalspieler auch weiter zu Hamburger Politikern und Geschäftsleuten, um seine geliebten Towers weiter nach vorn zu bringen. Denn Willoughby hat Großes vor: „Wir wollen in den nächsten beiden Jahren die Bedingungen und Strukturen für die erste Liga schaffen und die Arbeit im Verein professionalisieren. Mittelfristig wollen wir uns in der Bundesliga etablieren und unter die besten Acht kommen.“
