Oldenburg - Das Basketball-Pokalturnier Top Four war zu Gast in Oldenburg, und das ZDF übertrug die Veranstaltung am vergangenen Sonntag in alle deutschen Haushalte mit einem Fernsehanschluss – doch es schaute kaum jemand hin. Das Finale zwischen Gastgeber EWE Baskets und den Baskets Bamberg (72:70) verfolgten ganze 280 000 Zuschauer, was einem Marktanteil von lediglich 2,4 Prozent entspricht.

Ein enttäuschendes Ergebnis für den öffentlich-rechtlichen Sender und die Basketball-Bundesliga, die sich auf die Fahnen geschrieben hat, bis 2020 zur stärksten Liga in Europa zu werden. Ein Ziel, das ohne regelmäßige mediale Präsenz nicht zu erreichen ist.

Dabei hatte das ZDF keine Kosten und Mühen gescheut. Von Donnerstag bis Sonntag schickte der Sender 25 Mitarbeiter nach Oldenburg, darunter auch drei Kamerateams, die das angebotene Bild der Telekom um weitere Sequenzen ergänzten. In Moderator Sven Voss (38) und Kommentator Norbert Galeske (53) stellte das ZDF zudem zwei Journalisten bereit, die selbst in der Vergangenheit Basketball gespielt hatten.

„Diese schnelle Sportart lässt sich mit ihrer Dramatik perfekt inszenieren, deshalb hat sich auch das ganze Team dafür ausgesprochen, das Pokalfinale zu zeigen“, meinte Voss. Zuletzt hatte der Sender im Jahr 2008, als die deutsche Nationalmannschaft sich für die Olympischen Spiele qualifizierte, Basketball live gezeigt und nun erstmals wieder einen Versuch gewagt.

Als „Gratwanderung“ bezeichnete der Moderator die publikumsgerechte Aufarbeitung des Spiels: „Wir müssen darauf achten, die Experten nicht zu vergraulen, weil wir alles erklären. Aber gleichzeitig wollen wir auch Zuschauer binden, die sonst nicht so häufig zuschauen.“ So wurde in Oldenburg darauf verzichtet, das übliche englische Vokabular zu verwenden.

Engagement und Quote passten beim ZDF jedoch nicht zusammen. Dieses Schicksal teilt man sich mit der Telekom, die seit Anfang der Saison alle Spiele live im Internet zeigt. Für Kunden des Telekommunikations-Konzerns mit Laufzeitvertrag und Internet-Flatrate ist das Angebot kostenlos. Trotzdem gibt es erst 60 000 Abonnenten, was nur einem Bruchteil der Telekom-Kundenzahl entspricht.

Das ZDF hat die Hoffnung, die Zuschauer zu erreichen, aber nicht aufgegeben. Das Top Four wurde auch in Hinführung auf die Europameisterschaft 2015 (5. bis 20. September) gezeigt. Die Gruppenspiele der deutschen Mannschaft werden in Berlin ausgetragen, und die öffentlich-rechtlichen Sender ARD und ZDF sind live dabei. Nachdem der erste Test ins Wasser fiel, hofft man beim Sender dann auf bessere Quoten.

Arne Erik Jürgens
Arne Erik Jürgens Thementeam Polizei/Justiz