Hamburg/Chemnitz - Im Bus nach Chemnitz kamen Basketballprofi Jannik Freese (32) am Montagmittag Erinnerungen an die Bundesliga-Playoffs 2017 in den Sinn. Damals reiste er mit den EWE Baskets Oldenburg zum fünften Spiel der Halbfinal-Serie zum Hauptrundensieger nach Ulm, wo Oldenburg mit einem Auswärtssieg den Finaleinzug perfekt machte.
Einen solchen Sprung ins Endspiel will Freese, inzwischen beim Zweitligisten Hamburg Towers, an diesem Dienstag (19.30 Uhr) wiederholen. 2:2 steht es in der Serie gegen den BV Chemnitz. Ein Sieg fehlt Hamburg noch zum Aufstieg in die Bundesliga (BBL), für die sich die beiden Finalisten qualifizieren.
Die Motivation sei „natürlich riesig“, sagt der gebürtige Oldenburger Freese: „Wir sind ein Spiel von unserem Saisonziel entfernt.“ Reif dafür sei Hamburg: „Man muss niemanden mehr begeistern, die Halle ist ausverkauft, die Infrastruktur steht.“
Nachdem sich Pascal Roller, Ex-Nationalspieler und einer der Towers-Gründer, 2015 von dem Projekt zurückgezogen hatte, gingen die Verantwortlichen das Ziel Aufstieg zurückhaltender an. Roller hätte die Entwicklung gern forciert, doch es fehlte ihm an Geld. Jahrelang hatten die Towers, die in dieser Saison einen Etat von rund 2,3 Millionen Euro haben, keinen Hauptsponsor. Diese Lücke schlossen sie Anfang dieses Jahres. Ein börsennotiertes Logistik-Unternehmen, das nun die Trikots in großen Lettern besetzt, unterschrieb einen Vertrag bis Mitte 2022.
Dass weder ein Trikotsponsor noch ein behutsamerer Aufbau Erfolgsgaranten sind, haben die RheinStars Köln gezeigt. Statt in der BBL spielen sie in Zukunft viertklassig. Die Kölner waren vor sechs Jahren ähnlich ambitioniert gestartet. 2018 zogen sie sich aus der 2. Liga und in eine kleinere Halle zurück. Die große Arena, in die regelmäßig mehr als 10 000 Besucher zu Konzerten und Eishockeyspielen der Kölner Haie kommen, war für Zweitliga-Basketball überdimensioniert. Auch durch viel Verletzungspech folgte nun der Abstieg in die 4. Liga.
Das Problem der Hallengröße kennen sie an der Elbe, allerdings unter anderen Vorzeichen. Die 3400 Zuschauer fassende Halle war in dieser Saison erstmals immer ausverkauft, doch die Hamburger planen schon eine neue Spielstätte. Immobilienentwickler und Hauptgesellschafter Tomislav Karajica plant, durch private Investoren eine neue Arena für 9000 Zuschauer bauen zu lassen. „Das ist ganz wichtig, um unser Projekt auf Dauer finanzieren zu können“, sagte Towers-Sportchef Marvin Willoughby am Sonntagabend im NDR-Sportclub.
Freese ist indes überzeugt, dass an diesem Dienstag der Aufstieg geschafft wird. „Wir sind eine geschlossene Mannschaft, wir kämpfen zusammen. Das wird den Ausschlag geben“, sagt der Center. Trainer Mike Taylor – der US-Amerikaner ist in Personalunion auch Nationaltrainer Polen – baut auf den Ex-Oldenburger. So stand Freese in der abgelaufenen Punktrunde im Schnitt 24:30 Minuten auf dem Feld und erzielte 11,3 Punkte pro Spiel.
