Hagen/Oldenburg - Die Globalisierung hat den Pferdesport verändert. Al Ain in den Vereinigten Arabischen Emiraten, Thermal und Wellington in den USA, Hongkong und Paris: Die Spitzenreiter müssen weiter reisen, verdienen aber bei Millionen-Veranstaltungen im Ausland mehr Geld als früher.

„Damals sind alle Weltklasse-Reiter nach Deutschland gekommen“, sagt Bundestrainer Otto Becker: „Jetzt ist es anders, es gibt viel mehr gute Turniere im Ausland. Wenn es da mehr Geld gibt, kann man die Reiter verstehen, wenn sie dorthin reisen.“

Die Veränderungen lassen sich auch mit Zahlen belegen. „Vor 15 Jahren wurde die Hälfte des Preisgeldes in Deutschland verdient. Inzwischen sind die 50 Prozent auf ganz Europa verteilt und nur zehn bis 15 Prozent in Deutschland“, sagt Michael Mronz, der auch das weltweit größte Turnier in Aachen vermarktet.

Nur noch fünf von 55 Turnieren der höchsten Kategorie mit fünf Sternen finden in diesem Jahr in Deutschland statt. Einzig Traditionsveranstaltungen wie der CHIO in Aachen oder das Hamburger Derby locken weiterhin mit viel Geld. „Veranstaltungen der mittleren Kategorie haben es schwer“, sagt Mronz.

Dem widerspricht Kaspar Funke. „Es gab eine Zeit, in der die wahrgenommene Qualität von einzelnen Namen abhing. Doch das ist nicht mehr so“, sagt der Turnierchef der Oldenburger Pferdetage: „Es sind nicht mehr nur die ,alten Hasen‘ Weltspitze.“

Deshalb setzt er auch auf „junge aber ebenso starke Reiter, die sich mit dem Turnier identifizieren und Emotionen zeigen“. Er nimmt dabei in Kauf, dass das Hauptspringen ein Außenseiter gewinnt, wie zuletzt im November 2012 Holger Hetzel. Der Mann aus Goch weinte bei der Siegerehrung vor Glück. Funke: „Das honorieren die Zuschauer.“

Für Aufsehen sorgt an diesem Wochenende Christian Ahlmann. Der Weltranglisten-erste aus Marl fliegt nach zwei Tagen beim Turnier in Hagen a.T.W. für zwei Tage nach Peking, und startet am Sonntag wieder im Osnabrücker Land.

„Davon halte ich nichts und habe mich auch selbst schon dagegen entschieden“, kommentiert Funke. Für ihn zähle nur ganz oder gar nicht: „Der Zuschauer weiß genau, dass der vermeintliche Superstar nur mit seinem vierten Pferd reitet, denn sein bestes steht ja ganz woanders.“

Die teuren Turniere werden zumeist von reichen Scheichs in der Wüste organisiert oder wie in Rio de Janeiro von der Milliarden-Erbin Athina Onassis finanziert. In Spanien oder Portugal erhalten einige Veranstalter trotz Euro-Krise gar staatliche Subventionen.

Für die heimischen Organisatoren entsteht ein Teufelskreis. „Da sehe ich schon eine Gefahr, wenn die Topreiter nicht mehr bei den deutschen Turnieren starten“, sagt ARD-Sportkoordinator Axel Balkausky. Die ohnehin schrumpfende Zahl von TV-Übertragungen wird noch geringer, die Sponsorensuche dadurch noch schwieriger.

Bei den Oldenburger Pferdetagen stieg die ARD bereits aus. Die Übertragungsrechte sicherte sich der Spartensender Sport 1, der das Qualifikationsspringen für das Masters League Finale von 18.30 bis 20 Uhr live zeigte. „Die TV-Quote war nicht berauschend“, gibt Funke zwar zu, betont aber: „Der Marktanteil war immerhin größer als die vorgelagerten Basketball- und Handball-Übertragungen.“

Olaf Ulbrich
Olaf Ulbrich Kanalmanagement (Ltg.)