Herr Machowski, seit zwei Wochen läuft die Vorbereitung, an diesem Montag geht es ins Trainingslager nach Kroatien. Haben Sie schon wieder voll in den Basketball-Modus umgeschaltet oder hält die Erholung aus der Sommerpause noch vor?

Sebastian Machowski (42)Natürlich dreht sich längst alles wieder um Basketball. Jedes Training muss vorbereitet und analysiert werden. Außerdem geht es darum, herauszufinden, wie ich die Stärken der Zugänge in unser Spiel einbringen kann. Aber der eigentliche Stress beginnt ja erst, wenn es mit den Punktspielen losgeht. Von daher ist bei mir alles im grünen Bereich – noch (lacht).

Aus dem Kader der vergangenen Saison sind fünf Profis nicht mehr dabei. Haben Sie den Spielern persönlich mitgeteilt, dass Sie keine Verwendung mehr für sie haben?

MachowskiJa, da lege ich großen Wert drauf.

Fallen Ihnen solche Gespräche schwer?

MAchowskiSchon. Es ist keine leichte Situation, wenn man einem Spieler erklären muss, dass man nicht mehr mit ihm plant. Auch wenn ich das aus sportlicher Sicht für mich rechtfertigen kann, ist es menschlich schwierig – gerade, wenn man einen Spieler persönlich schätzt.

Wie macht sich Ihr neuer Spielmacher Tywain McKee bisher?

MachowskiSehr gut. Tywain ist sehr wissbegierig, fragt oft nach, wie er sich in bestimmten Situationen auf dem Parkett verhalten soll. Sein Können hat er in den Trainingsspielen bereits aufblitzen lassen. Ob Schnelligkeit, das Auge für den Mitspieler oder der eigene Abschluss – Tywain bringt große individuelle Klasse mit.

Unmittelbar nach dem knappen Halbfinal-Aus gegen den FC Bayern hat Baskets-Geschäftsführer Hermann Schüller den Spitzenteams ganz offen den Kampf für die kommende Saison angesagt. Wie ist das bei Ihnen angekommen?

MachowskiIch finde es wichtig, sich zu bekennen und Ziele auszugeben. Wir wollen das wiederholen, was wir in den vergangenen Jahren erreicht haben. Die Aussage von Hermann Schüller kam vielleicht früh – in der Sache war sie aber richtig.

Keine Angst, dass nun zu große Erwartungen im Umfeld geschürt werden könnten?

MachowskiWir waren zuletzt Zweiter und Dritter in Deutschland – wie viel größer kann da noch der Erwartungsdruck werden? Unser Ansatz bleibt der Gleiche: Wir gehen in jedes Spiel, um es zu gewinnen!

Bayern sowie Bamberg gelten als Favoriten auf den Meistertitel. Kann man eine solche Prognose zu diesem Zeitpunkt überhaupt schon abgeben?

MaCHOWSKIEnde August über Favoriten zu sprechen, halte ich für sehr früh. Klar, wahrscheinlich werden die drei großen B’s – also Bayern, Bamberg und Berlin – ganz vorne mitspielen. Und genau das wollen wir auch.

Oldenburg wird im kommenden Jahr das Pokalfinalturnier ausrichten. Verspüren sie schon Vorfreude?

MachowskiAbsolut. Es war in den vergangenen zwei Jahren immer ein kleiner Wermutstropfen, dass wir nie das Top Four erreicht haben. Nächstes Jahr im April sind wir als Gastgeber automatisch qualifiziert. Es wird ein tolles Basketball-Wochenende in Oldenburg.

Zum Thema Fernsehen: Die Telekom hat sich die gesamten Medienrechte der Basketball-Bundesliga gesichert und will künftig jedes Spiel auf ihren Plattformen live übertragen. Wie beurteilen Sie diesen TV-Deal?

MachowskiGenerell ist es eine tolle Sache, dass die Fans nun alle Spiele sehen können, selbst wenn ihr Verein auswärts spielt. Für die Außendarstellung der Liga ist diese erhöhte TV-Präsenz sehr wichtig. Ich glaube schon, dass dadurch noch mehr Menschen für die Sportart Basketball begeistert werden können. Allerdings muss man natürlich noch abwarten, wie das Ganze umgesetzt wird.

Die Nationalmannschaft hat eine holprige EM-Qualifikation hinter sich. Hätten Sie erwartet, dass die Mannschaft sich so schwer tut?

MachwoskiMir war schon vorher klar, dass Polen der schwerste Gegner sein würde. Dass wir gleich zweimal gegen sie verlieren, hätte ich allerdings nicht gedacht. Das Team hat sich sicherlich nicht mit Ruhm bekleckert.

Mit diesen Leistungen könnte die EM 2015 – von der die Vorrunde vielleicht in Berlin ausgetragen wird – für Deutschland aber rasch vorbei sein . . .

MachowskiKlar, das Team muss sich steigern. Aber man darf auch nicht vergessen, dass die Voraussetzungen in diesem Sommer nicht optimal waren: Es waren nicht alle Spieler verfügbar, der Bundestrainer stand erst kurz vor der Qualifikation fest.

Noch ist nicht klar, ob Emir Mutapcic Nationalcoach bleibt. Wären Sie dafür?

MachowskiKontinuität würde dem Nationalteam generell gut tun. Eigentlich hatte ich gedacht, dass dieser Weg schon mit Frank Menz eingeschlagen werden sollte. Letztlich bin ich aber ganz froh, dass das nicht meine Baustelle ist. Die Nationalmannschaft verfolge ich eher als Fan – ich hoffe, dass wir bei der EM ein starkes Team haben, das weit kommen kann.