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NWZonline.de Sport Basketball NBA

Us-Sport: Bucks-Boykott in NBA löst Kettenreaktion aus

28.08.2020

Orlando Die ergreifende Protestnote der Milwaukee Bucks aus den Arena-Katakomben von Orlando trifft die aufgewühlten USA mit voller Wucht und setzt eine historische Zäsur. Am Jahrestag der ersten Anti-Rassismus-Aktion von NFL-Profi Colin Kaepernick folgen Sportler landesweit in zuvor noch nie dagewesener Art und Weise mit klaren Zeichen gegen Polizeigewalt und Rassismus in ihrem tief gespaltenen Land. Ausgelöst vom Playoff-Boykott der Basketballer aus Milwaukee verzichteten am Mittwoch Teams und Spieler in der NBA, MLB, MLS und WNBA auf ihre Wettkämpfe. Die nahe Zukunft der Wettbewerbe ist ungewiss, Saisonabbrüche sind nicht mehr ausgeschlossen.

Das Auftreten der Bucks um Superstar Giannis Antetokounmpo hinterlässt tiefen Eindruck. Nahezu komplett in schwarz tritt das Team aus Wisconsin vor die Medien, um mit ebenso wuchtigen Worten seine Position darzulegen. Zuvor war der Titelkandidat einfach nicht zu seinem Playoff-Spiel gegen die Orlando Magic erschienen. Worte sind genug gesprochen, es ist Zeit für Taten – das ist die Botschaft, die ausgerechnet aus dem „Gute-Laune-Park“ Walt Disney World Ressort in die Welt geht.

„Fordern Gerechtigkeit“

„Wir fordern Gerechtigkeit für Jacob Blake und dass die beteiligten Officers zur Rechenschaft gezogen werden“, sagen George Hill und Sterling Brown, stellvertretend für ihre Teamkollegen. Sie fordern „nach Monaten der Inaktivität bedeutsame Maßnahmen zu ergreifen“, um Polizisten zur Rechenschaft zu ziehen und die Themen „Polizeigewalt und Reform der Strafjustiz“ endlich anzugehen. Die jüngste Gewalttat von Polizisten gegen einen Schwarzen am Wochenende hat viele Spieler ein weiteres Mal schwer getroffen. Die Heimstätte der Bucks liegt nicht einmal eine Stunde von dem Ort entfernt, an dem Blake niedergeschossen wurde.

Nach dem Boykott der Bucks sagte die NBA alle drei für Mittwoch geplanten Playoff-Partien ab. Auch die weiblichen Kolleginnen aus der WNBA schlossen sich an, in der Baseball-Liga MLB und bei den Fußballern der MLS gibt es ebenfalls Absagen. Beim von Cincinnati nach New York verlegten Masters-1000-Turnier der Tennisprofis sagten die Veranstalter alle vier Halbfinals bei den Frauen und Männern ab und verkünden eine Spielpause bis Freitag. Nur die NHL setzt ihre Eishockey-Playoffs fort.

NBA vor dem Abbruch?

Von Profisportlern aus der NBA und der NFL gibt es Zuspruch für den Schritt der Bucks. Der ehemalige US-Präsident Barack Obama schrieb: „Ich preise die Spieler der Bucks, die einstehen dafür, woran sie glauben, Trainer wie Doc Rivers und die NBA und WNBA dafür, ein Zeichen zu setzen. Es wird all unsere Institutionen brauchen, um für unsere Werte einzustehen.“

Wie die NBA mitteilte, sollen die Partien neu angesetzt werden. Doch ob es überhaupt weiter geht, ist Bestand heftiger Diskussionen. In einem hoch emotionalen Spieler-Meeting sollen sich die Los Angeles Lakers angeführt von Superstar LeBron James für einen Abbruch der Playoffs ausgesprochen haben. „Scheiß darauf, Mann. Wir verlangen Veränderung. Krank davon“, schrieb James in Großbuchstaben. Andere Teams wollen weiterspielen. Auf den Tag genau vier Jahre nachdem der damalige 49ers-Quarterback Kaepernick sich bei einem Testspiel vor der NFL-Saison erstmals während der Nationalhymne hingekniet und das Land in eine emotionale Zerreißprobe geführt hatte, erreicht die Debatte um Rassismus und Polizeigewalt in den USA eine neue Dimension.

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