NEUSS - Es war am 18. Oktober 1968, als der US-amerikanische Weitspringer Bob Beamon im ersten Versuch des Finales des olympischen Weitsprungwettbewerbes in Mexiko-City für die sensationellste Leistung der jüngeren Sportgeschichte sorgte – 8,90 Meter war die Länge, die sein Leben verändern sollte.

Bei 8,35 m stand der Weltrekord, als der 22-jährige Amerikaner anlief. Beamon, mit „lächerlichen“ 7,65 m gerade noch in den Endkampf eingezogen, hatte alle positiven Faktoren auf seiner Seite: Er befand sich in der Form seines Lebens, profitierte von der Höhenlage (2240 m) und der damals neuartigen Tartanbahn, hatte einen optimalen Anlauf und

Absprung und ein Höchstmaß an zulässigem Rückenwind (2,00 m/Sekunde).

Als Beamon (vorherige Bestleistung 8,33 m) weit hinter den Messvorrichtungen landete, dauerte es lange, bis das schier Unglaubliche in Ziffern auf der Anzeigentafel zu lesen war: 8,90 m!

Der Hallen-Weltrekordler (8,30 m) konnte seine Leistung erst erfassen, als ihm das metrische ins amerikanische Messsystem übersetzt wurde: 29 Feet und zweieinhalb Inches! Er warf sich zu Boden und verfiel in einen Weinkrampf.

Jesse Owens, viermaliger Olympiasieger von Berlin 1936, prägte damals den Spruch vom „Sprung ins nächste Jahrhundert“. Der Mann, der den Weitsprung-Weltrekord (8,13 m) vom 25. Mai 1935 bis 13. August 1960 hielt, meinte: „Es gehört große moralische Widerstandskraft dazu, so einen Rekord zu ertragen.“ Beamon bekannte 1970, dass ihn die Bürde des Rekordes fast erdrückte: „Es ist, als ob ich keine Luft

mehr bekäme. Der Rekord macht mich fertig.“

Er verlor ihn am 30. August 1991 an Mike Powell (USA/8,95 m) – knapp 23 Jahre nach seinem „Jahrhundertsprung“.

Nach seinem Rücktritt wurde er Basketball-Profi bei den Harlem Globetrotters. Später arbeitete der gelernte Schneider als Sozialarbeiter, leitete eine Diskotheken-Kette und Trainingszentren – und kehrte 1979 für ein Talentsucheprogramm nach Mexiko zurück. 2004 war Beamon in Athen Berater der US-Olympiamannschaft. Er startete viele Projekte und führte nichts erfolgreich zu Ende.

Glücklich wurde er auch nicht – Beamon trat viermal vor den Traualtar. Heute leidet der 62-Jährige an Diabetes und Bluthochdruck.