OLDENBURG - Dem Spielmacher Krauser misslang viel zu viel. Die Schützen Schaffartzik und Strauch trafen nicht aus der Distanz.
Von Oliver Schulz
OLDENBURG - Profispieler rühmen sich mit ihrer Flexibilität, an jedem Ort der Welt zu Hause zu sein, an dem sich ein Basketball-Korb befindet. Doch Oldenburg ist naturgemäß nicht die Bronx, und die EWE-Arena nicht der berühmte Streetball-Platz im Rucker Park. Gemessen an seinem riesigen Talent und bedingungslosen Einsatz hat Carl Krauser das Zeug, um ein Publikumsliebling zu werden. Bei der 70:80 (39:49)- Heimniederlage gegen die Skyliners Frankfurt hat der 25-jährige Aufbauspieler die Fans der EWE Baskets allerdings am Ende ziemlich genervt. Seine eigenwillige Art, den Ball zu führen und den Weg zum Korb zu suchen, stand zumindest am Sonnabend im Widerspruch zum von Trainer Don Beck verordneten Teamspiel.„Die meisten meiner Spieler sind jung und hoch talentiert, aber unerfahren. Wir haben das so gewollt. Sie werden Fehler machen. Wir brauchen Geduld“, sagte Beck. Zudem vermisste nicht nur der Coach Kapitän Tyron McCoy. Ohne den am Oberschenkel verletzten Routinier waren die Baskets im Rückfeld meist ideenlos.
Die dramatische Schlussphase verlangte auch den Anhängern der Oldenburger unter den 2811 Zuschauern alles ab und brachte einige sogar auf die Palme. Dabei hatten sich die Oldenburger in die längst verloren geglaubte Partie zurückgekämpft. Die Spieler bildeten in dieser Phase eine Einheit und überraschten mit gelungenem Passspiel unter den Korb. Drei Minuten vor Spielende brachte Desmond Penigar die Baskets mit einem krachenden Dunking in Führung (68:67).
Auch deshalb rief Krausers Einwechslung für Heiko Schaffartzik zumindest Erstaunen hervor. Der deutsche A2-Nationalspieler ließ mit zwei Treffern bei elf Versuchen als Kunstschütze aus der Distanz zu wünschen übrig. Allerdings wirkte der Spielaufbau des 22-Jährigen durchdachter und geschickter als beim bemühten, aber unsicheren Krauser (sieben Ballverluste).
Der famosen Aufholjagd folgte wie schon in Trier der unerklärliche Einbruch. „Es ist, als werde da ein Schalter bei uns umgelegt. Wir versuchen alles, aber wir bekommen keinen Angriff mehr durch“, sagte Daniel Strauch. So fiel den ambitionierten, nicht überragenden Frankfurtern der Sieg in die Hände. 13 Punkte hintereinander beeindruckten die Oldenburger derart, dass sie sich wie gelähmt der Niederlage fügten.
Pfiffe nach der Schlusssirene schmerzten Trainer und Spieler. „Ich kann das nicht verstehen. Als wir erstmals in Führung gingen, standen alle auf den Sitzen. Zwei Minuten später werden wir ausgepfiffen“, wunderte sich Strauch. Der Alltag hat die Oldenburger schon beim ersten Bundesliga-Heimspiel eingeholt.
