Am Montag spielen Sie mit den Baskets am letzten Hauptrunden-Spieltag in Bonn. Dort ist jetzt Predrag Krunic Trainer, der Sie vor zehn Jahren nach Oldenburg geholt hat. Ist es nach so langer Zeit immer noch etwas Besonderes, Ihren Ex-Coach wiederzusehen?

Rickey Paulding (34)Es ist immer schön, ihn zu sehen. Ich freue mich, dass Predrag weiterhin in der Bundesliga arbeitet. Sein Team hat eine gute Saison gespielt, hat eine große Heimstärke entwickelt. Vor dem Spiel werden wir uns sicher ein wenig über unsere Familien unterhalten, aber während der Partie wird es dann keine Rolle spielen.

Vor zwei Wochen haben Sie Ihren Vertrag in Oldenburg bis 2019 verlängert. Nach Ablauf dieses Vertrags werden Sie 36 Jahre alt sein. Ist dann Schluss mit Profi-Basketball?

PauldingDas kann ich momentan noch überhaupt nicht sagen. Es kann in zwei Jahren so viel passieren. Ich möchte jetzt diese Saison stark beenden und auch in den kommenden Jahren meine Leistung bringen. Danach schaue ich, ob ich weiterhin gesund bin, ob ich das Gefühl habe, den Baskets helfen zu können und ob der Club mich auch weiterhin behalten möchte. Ich freue mich sehr auf die zwei weiteren Jahre.

Trauen Sie sich zu, noch mit 40 Jahren auf höchstem Niveau zu spielen?

PauldingIch könnte mir das vorstellen, wenn ich dann noch fit genug bin. Allerdings hängt es auch von meiner Familie ab. Wie sind dann die Pläne meiner Frau und meiner Kinder, wie läuft es in der Schule? Außerdem müssen mich die Baskets mit 40 auch noch wollen (lacht).

Werden Sie nach Ihrer Karriere in Oldenburg bleiben? Könnten Sie sich vorstellen, bei den Baskets in anderer Funktion zu arbeiten?

PauldingDas Ende meiner Karriere ist absehbar, also fange ich mittlerweile an, mich mit diesen Themen zu beschäftigen. Ich kann allerdings noch nicht genau sagen, wie unsere Pläne aussehen. Vielleicht gehen wir irgendwann mal wieder in die USA, um bei unserer Familie zu sein. Wir haben auch ein Haus dort. Trotzdem kann man diese Frage aktuell nicht beantworten. Ich sehe mich in der Zukunft nicht als Trainer, aber wer weiß schon, ob es nicht trotzdem nach meiner sportlichen Karriere einen gemeinsamen Weg mit den Baskets gibt.

Sie haben in Ihrer Karriere viel erreicht, sind Meister und Pokalsieger geworden. Was treibt Sie noch an, sich Tag für Tag im Training zu quälen?

Paulding Mein ganzes Leben wollte ich immer professionell Basketball spielen. Ich habe die Gelegenheit, in diesem Alter noch zu spielen, während frühere Mitspieler ihre Karrieren beendet haben oder durch schwere Verletzungen gestoppt wurden. Dafür bin ich unglaublich dankbar. Mich treibt es zudem an, mit den Baskets noch einen Titel gewinnen zu wollen. Ich schätze Mladen als Coach und als Mensch, wir haben eine starke Beziehung zueinander. Auch für ihn will ich noch einen Titel gewinnen. Chris Kramer, Vaughn Duggins, Brian Qvale, aber auch die anderen Mitspieler – wir haben hier eine wunderbare Gemeinschaft, mit der ich gern gemeinsam einen Titel gewinnen würde.

Sie waren in Ihrer Karriere fast nie verletzt. Was ist das Geheimnis Ihrer Fitness?

PauldingIch habe nicht wirklich ein Geheimnis. Auch wenn ich mich gut ernähre, ist es nicht so, dass ich nicht auch mal zu Süßigkeiten greifen würde. Als Vater kann ich natürlich jetzt nicht mehr wach bleiben und nachts NBA-Spiele schauen, sondern achte darauf, dass ich ausgeruht bin. Meine Frau Kara kümmert sich sehr gut um die Familie, nimmt mir während der Saison viele Dinge ab. Deshalb kann ich mich sehr gut auf Basketball konzentrieren. Natürlich muss ich aber auch Gott dafür danken, dass ich bisher das Glück hatte, nicht schwer verletzt gewesen zu sein.

Im Zuge der Zeremonie zur Ihrer Vertragsverlängerung nach dem Bayreuth-Spiel haben Sie für Ihren Satz „Ich bin ein Oldenburger“ stürmischen Beifall von den Zuschauern geerntet. Warum sprechen Sie nicht öfter öffentlich Deutsch?

PauldingWahrscheinlich habe ich nicht die größte Begabung für Sprachen und spreche nicht so gut Deutsch, wie ich es mir selber wünsche. Auf der anderen Seite verstehe ich sehr viel, wenn andere Menschen mit mir Deutsch sprechen. Gleichzeitig stehe ich tatsächlich nicht gerne im Mittelpunkt, werde nervös, wenn ich vor vielen Menschen sprechen muss. Dann habe ich Bedenken, dass ich nicht die Worte finde, die ich eigentlich sagen möchte und mich damit blamiere. Insofern fühle ich mich in meiner Muttersprache einfach wohler.

Zum Abschluss zurück zum Spiel in Bonn. Unter der Woche gelang ein souveräner Sieg in Jena, obwohl sich vorher fünf Spieler eine Lebensmittelvergiftung eingefangen hatten. Kann dieser Erfolg Kräfte freisetzen für das Hauptrunden-Finale?

PauldingIn Jena sind Spieler in den Vordergrund getreten, die normalerweise weniger spielen. Uns ist bewusst, dass wir in dieser Saison kein gutes Auswärtsteam waren. Wenn wir in die Playoffs kommen, werden allerdings die meisten Spiele in anderen Arenen sein. Deshalb haben wir uns noch einmal klargemacht, in Auswärtsspielen besser spielen zu müssen. Bereits in München haben wir das getan und haben in Jena eine beeindruckende Leistung gezeigt. Auf diesem Weg müssen wir weitermachen, wenn wir in dieser Saison weit kommen wollen.