Vechta - Eine Stunde nach Ende des spektakulär mit 93:75 (53:40) gewonnenen Bundesligaspiels gegen Bayern München zeigten die Basketball-Profis Philipp Herkenhoff und Clint Chapman unabhängig voneinander, wofür ihr Club Rasta Vechta steht. Während Herkenhoff – immerhin deutscher Nationalspieler – im Rasta-Dome mit einigen Fans an einem Getränkestand das gerade Erlebte diskutierte und dabei noch seine Spielkleidung trug, beschrieb eine Etage tiefer der jüngst nachverpflichtete Chapman vor der Kabine, wie er sein erstes Spiel für Rasta wahrgenommen hatte. Und auf die eigentlich auf den Spielverlauf bezogene Frage, ab welchem Zeitpunkt er an einen Sieg gegen den Meister und Favoriten geglaubt habe, sagte der US-Amerikaner trocken: „Daran habe ich geglaubt, seit wir vergangenen Dienstag mit der Vorbereitung auf die Partie begonnen hatten.“
Es ist diese Mischung aus Bodenständigkeit und einem sehr hohen Anspruch an sich selbst, die das Team auszeichnet und wohl auch mitverantwortlich für den sportlichen Erfolg in dieser Saison ist. Es müsste in den verbleibenden elf Punktspielen schon vieles schiefgehen, damit die Mannschaft von Trainer Pedro Calles nicht in die Playoffs kommt. Derzeit steht der so stark aufspielende Aufsteiger auf dem dritten Platz.
Für Vechta war es im sechsten Punktspiel gegen Bayern München seit 2013 der erste Sieg. Für die Münchner hingegen entwickelt sich der Nordwesten zu einer ungeliebten Gegend. Die Pleite in Vechta war erst die zweite in dieser Saison. Die erste hatte die Mannschaft Mitte Februar bei den EWE Baskets Oldenburg bezogen.
„Das war heute wohl unser bester Basketball, den wir spielen können“, sagte Calles nach dem Sieg gegen den FC Bayern, den die allermeisten der 3140 Zuschauer im ausverkauften Rasta-Dome enthusiastisch feierten. Es gab allerdings einige, die in diesen Jubel nicht einstimmten: Die Mitglieder des FC-Bayern-Fanclubs „Bakumer Germanen“ aus dem Kreis Vechta, die sonst die Münchner Fußballer unterstützen, rollten nach Spielende recht bedröppelt ihre Fahne ein.
Bayern-Trainer Dejan Radonjic hatte seine Spieler im Laufe der Partie einige Male verbal derb angefahren. Nach Spielende hatte er die Fassung aber wiedererlangt. „Vechta hat verdient gewonnen, die Mannschaft hat über 40 Minuten mit mehr Energie gespielt“, sagte der 49-Jährige, in dessen Team der US-Amerikaner Derrick Williams für die besonderen Momente sorgte. Der frühere NBA-Profi vereint Athletik und Eleganz in einer Weise, die in der Bundesliga nur sehr selten zu sehen ist. Mit 21 Punkten war er bester Werfer der Münchner.
Aufseiten von Vechta traf Austin Hollins am häufigsten (20 Punkte). Er und seine Teamkollegen bauten unter den Blicken von Bundestrainer Henrik Rödl bereits ab dem ersten Viertel ihre Führung Punkt um Punkt aus, am Ende des dritten Viertels betrug sie 24 Punkte (79:55). Dass dieser Vorsprung im Schlussviertel etwas schmolz, brachte den Sieg der Gastgeber nicht ernsthaft in Gefahr. Den Schlusspunkt setzte in Vechta dann ein Eigengewächs: Der erst 16-jährige Luc van Slooten fing bei einem Münchner Angriff den Ball ab, spurtete damit über das Feld und vollendete per Dunking zum Endstand.
