Vilnius/Oldenburg - Er ist noch präsent in Oldenburg. Wer durch die Stadt fährt, der sieht an verschiedenen Stellen einen breit lächelnden Chris Kramer – auf Werbeplakaten der EWE Baskets.
Diese müssen demnächst ausgetauscht werden, denn der Basketball-Profi hat den Bundesligisten im Sommer verlassen. Nach fünf Jahren als Dampfmacher vom Dienst bei den Baskets entschloss sich der US-Amerikaner nach der vergangenen Saison zu einem Clubwechsel. Kramer unterschrieb in Litauen bei Rytas Vilnius einen Einjahresvertrag – und wagte damit einen Schritt ins Ungewisse.
„In Oldenburg wusste ich immer genau, was auf mich zukommt. Ich wusste, wie die Vorbereitung abläuft, was der Trainer von mir erwartet, wie viele Minuten ich im Spiel bekomme“, sagt Kramer und ergänzt: „Das war natürlich sehr angenehm – aber manchmal muss man im Leben diese Komfortzone verlassen, um weiter zu kommen. Es war Zeit für den nächsten Schritt in meiner Karriere.“
Den nächsten Schritt machen. Diese Formulierung verwenden Profisportler häufig, wenn sie erklären sollen, was sie sich von einem Wechsel vom einen zu einem anderen Club erhoffen. Kramer wiederholt dies im Gespräch mit der NWZ derart oft, als müsse er sich selbst noch davon überzeugen, dass seine Entscheidung auch die richtige war.
In Oldenburg war der 29-Jährige ein Star. Er wurde von den Fans geliebt, er war ein Wortführer innerhalb des Teams, er prägte das Spiel wie kaum ein anderer Akteur in der Baskets-Historie. In der vergangenen Saison gab es Partien, in denen Trainer Mladen Drijencic seinen Aufbauspieler über die volle Distanz auf dem Feld ließ.
Als „großartig“ bezeichnet Kramer die fünf Jahre in Oldenburg, wo er zweimal Vizemeister wurde und in Rickey Paulding einen Freund fürs Leben fand. „Die Pauldings waren wie eine Familie für mich – ich vermisse Rickey, seine Frau und die Kinder.“
Finanziell hat sich für Kramer der Wechsel gelohnt, er hat in der litauischen Hauptstadt den am besten dotierten Vertrag seiner Karriere unterzeichnet. International starten die Osteuropäer im Eurocup – Kramer räumt ein, dass er lieber in der Königsklasse Euroleague gespielt hätte: „Ich hatte gehofft, dass es klappt. Doch das ist Vergangenheit, jetzt freue ich mich auf die Saison mit Vilnius.“
Im litauischen Basketball ist Zalgiris Kaunas seit Jahren das Maß aller Dinge, Vilnius der Herausforderer. „Ein großer Club mit viel Tradition“, sagt Kramer über seinen neuen Verein, den er nur zu gern zum sechsten Meistertitel führen würde. Allerdings muss er sich hierfür noch das Vertrauen von Trainer Rimas Kurtinaitis erarbeiten. In den ersten Vorbereitungsspielen kam Kramer durchschnittlich auf nur rund 20 Minuten Einsatzzeit.
