Oldenburg - Der erste Zugang ist perfekt, die Zuversicht bleibt, doch die fetten Jahre sind bei den EWE Baskets Oldenburg vorbei. Der Basketball-Bundesligist nimmt die neue Saison mit einer empfindlichen Etatkürzung in Angriff. Dies bestätigte Geschäftsführer Hermann Schüller am Montag auf NWZ -Anfrage: „Wir planen mit einem um zehn Prozent niedrigeren Budget.“
Die Etats aller Bundesligisten werden nicht offen kommuniziert. Eine Summe von zuletzt rund acht Millionen Euro wird von den Baskets nicht dementiert, so dass künftig von einem Gesamtetat von etwa sieben Millionen Euro auszugehen ist.
Damit dürften die Oldenburger finanztechnisch weiter im oberen Drittel der Liga angesiedelt sein – andernfalls könnte sich der Club wohl auch kaum die Dienste eines Ex-Nationalspielers wie Philipp Schwethelm leisten. Am Montag gaben die Baskets die Verpflichtung des 26-jährigen Flügelspielers bekannt, dessen Vertrag bei RP Ulm nicht verlängert worden war. Dieser Transfer kann jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass der deutsche Pokalsieger künftig etwas kleinere Brötchen backen muss.
Die Baskets hatten in der abgelaufenen Saison nicht nur sportlich, sondern auch wirtschaftlich einen Rückschlag erlitten. Dies führte dazu, dass sie die Lizenz für die neue Spielzeit nur unter Auflagen bekamen.
„Wir konnten unsere Ausgaben nicht mit den Einnahmen decken“, erklärte Schüller. Die Gründe für die finanzielle Lage sind vielfältig: Nicht billig war der Trainerwechsel von Sebastian Machowski zu Mladen Drijencic im März. Machowski steht bei den Baskets nach wie vor unter Vertrag. Eine Rolle spielte auch der Wertverlust des Euros. Deswegen mussten die Baskets für die Dollar-Verträge der US-amerikanischen Profis mehr zahlen.
Ein leichtes Minus brachte dem Club die Ausrichtung des Pokalturniers ein. Und durch das frühe Playoff-Aus in der ersten Runde brachen einkalkulierte Zuschauereinnahmen weg. „Wir hatten mit dem Einzug ins Halbfinale und dort mit zwei Heimspielen geplant“, meinte Schüller.
Vor einem Jahr hatte der Unternehmer noch vollmundig zur Attacke auf die Spitzenteams geblasen – jetzt schlägt der der Baskets-Chef leisere Töne an: „Wir stehen vor einem Umbruch. Da macht es keinen Sinn, irgendwelche hochtrabenden Ziele zu formulieren.“ Obwohl die Baskets künftig vermehrt auf junge und entwicklungsfähige Spieler statt auf fertige Stars setzen, soll der sportliche Erfolg nicht gefährdet werden.
„Die Playoffs sind ein Muss. Die vergangene Saison war ein Einbruch, das darf uns nicht noch einmal passieren“, stellte Schüller klar: „Wir werden ein Team auf die Beine stellen, das die Fans mit attraktivem und leidenschaftlichem Basketball begeistert.“
Die finanziellen Möglichkeiten der Branchenriesen Bamberg, München und Berlin veranschaulichte Schüller mit einem Vergleich zum Fußball: „Wir sind von den großen drei Clubs so weit weg wie Werder Bremen von Bayern München.“ Um den Anschluss nicht vollends zu verlieren, sei es wichtig, weitere potente Geldgeber neben Hauptsponsor EWE zu finden. Die Suche gestalte sich jedoch schwierig: „Wir müssen jeden Stein einzeln umdrehen.“
Zu Gerüchten, dass die Landessparkasse zu Oldenburg eine Kürzung ihres Sponsorings plane, sagte Schüller: „Vertragsinhalte mit Sponsoren gehören nicht an die Öffentlichkeit. Diskussionen über Anpassungen gibt es immer mal wieder.“
Die EWE, bei der Matthias Brückmann im Oktober den langjährigen Vorstandsvorsitzenden und Basketball-Fan Werner Brinker ablöst, garantiert den Baskets ihre volle Unterstützung. „Unser Engagement bei den EWE Baskets ist nicht an einzelne Personen geknüpft, sondern eine langfristige und nachhaltige Entscheidung im Sinne der Region, des Sports und des Unternehmens“, ließ Brückmann mitteilen.
„Die vertragliche Grundlage unseres Sponsorings gilt, so dass wir gemeinsam unverändert in die kommende Saison gehen“, sagte Brückmann mit Blick auf den noch bis 2016 laufenden Vertrag: „Und wie in den rund 15 Jahren dieser erfolgreichen Partnerschaft auch, werden wir weiter regelmäßig über die sinnvolle Weiterentwicklung unseres gemeinsamen Weges sprechen.“
