Tübingen/Oldenburg - Es war schon wieder hell, als der Mannschaftbus der EWE Baskets Oldenburg vor das Trainingszentrum an der Maastrichter Straße fuhr. Gegen sieben Uhr endete am Sonntagmorgen die rund 660 Kilometer lange Rückreise aus Tübingen, wo der Basketball-Bundesligist am Abend zuvor eine bittere Enttäuschung erlebte. Mit 82:94 (44:50) unterlagen die Oldenburger bei den vom Abstieg bedrohten Schwaben und kassierten damit nach zuvor drei Siegen in Folge einen unerwarteten Rückschlag.
Durch die schwache Vorstellung vergaben die Baskets die große Chance, ihre Erfolgsserie fortzusetzen und im Kampf um Rang vier weiter Boden gut zu machen. Diese Platzierung würde in einem Playoff-Viertelfinale Heimvorteil bedeuten, Auftritte wie der in Tübingen lassen jedoch Zweifel aufkommen, ob die Oldenburger dieses Ziel noch erreichen können.
Vor 2880 Zuschauern in der Paul-Horn-Arena ließ die Mannschaft fast alles von dem vermissen, wodurch sie sich in den vergangenen Wochen aus der Krise befreit hatte. Vor allem in der Verteidigung offenbarten die Schützlinge von Trainer Sebastian Machowski große Lücken. „Zu 90 Prozent lag es heute an unserer schlechten Defensive“, meinte auch Philipp Neumann, der sich am Sonnabend als einer von wenigen Oldenburgern wirklich sichtbar gegen die Niederlage stemmte.
Der Center sammelte sechs Rebounds und erzielte 18 Punkte – und das in nicht einmal 20 Minuten Spielzeit. Seine Teamkollegen Casper Ware und Julius Jenkins kamen zwar auf die gleiche Punktausbeute, konnten aber trotzdem nicht vollauf überzeugen. Jenkins etwa traf nur miserable 25 Prozent seiner Würfe aus dem Feld, bewies aber immerhin bei seinen zahlreichen Freiwürfen Nervenstärke.
Ware wiederum verlor das Duell gegen Tübingens Spielmacher Branislav Ratkovica klar. Der ehemalige Oldenburger durfte sich gegen die nachlässig verteidigenden Baskets nach Herzenslust austoben und führte mit neun Assists nicht nur glänzend Regie, sondern steuerte auch elf Zähler zum Überraschungssieg der Hausherren bei.
Nie in den Griff bekamen die Oldenburger zudem Vladimir Mihailovic. Der Montenegriner, bei seinem ersten Einsatz nach neunwöchiger Verletzungspause mit einer Bandage am Handgelenk, erwischten einen echten Sahnetag und avancierte mit 24 Punkten zum Topscorer.
Bei den Baskets hingegen blieb im Spiel nach vorn vieles Stückwerk. Immer wieder hatten die Gäste Schwierigkeiten, ihre Spielzüge vor Ablauf der Angriffszeit abzuschließen. Dies hatte viele wilde Würfe aus schwierigen Positionen zur Folge, die nur selten ihr Ziel fanden. „Wir waren zu unkonzentriert“, erkannte Neumann.
Die Oldenburger liefen fast durchgehend einem Rückstand hinterher. Als dieser Mitte des dritten Viertels auf elf Punkte angewachsen war (52:63/26. Minute), stellte Machowski auf Zonen-Verteidigung um und brachte Tübingen damit kurzzeitig aus dem Konzept. Die Baskets kämpften sich heran und schienen nach dem Ausgleich zum 73:73 (34.) alle Trümpfe in der Hand zu haben. Doch jetzt zeigte Tübingen das größere Kämpferherz, Oldenburg ließ sich erneut den Schneid abkaufen.
