Oldenburg - Irgendwann war es selbst der Anzeigetafel zu viel: Es lief die vierte Minute der Verlängerung im dritten Playoff-Viertelfinale zwischen den EWE Baskets Oldenburg und den Baskets Bonn, Robin Smeulders hatte per Dreier zum 72:67 getroffen, die Halle tobte – da gab die Technik plötzlich den Geist auf. Für mehrere Minuten ging nichts mehr an diesem Donnerstagabend in der großen EWE-Arena.
Die quälend lange Zwangspause strapazierte die Nerven von Spielern und Zuschauern bis aufs Äußerste – dabei hätte es eine solche Extra-Dramatik nun wahrlich nicht gebraucht. Kampf bis zum Umfallen, unfassbare Wendungen und Spannung bis zur allerletzten Sekunde: Der 72:71-Erfolg der Oldenburger war ein Basketball-Krimi allererster Güte und der vorläufige Höhepunkt dieser packenden Serie, in der die Schützlinge von Trainer Sebastian Machowski nun mit 2:1 in Führung liegen. Bester Werfer bei Oldenburg war Rickey Paulding mit 14 Punkten. Weil in der Serie drei Sieg zum Weiterkommen nötig sind, kann das Team an diesem Sonntag (19.30 Uhr) in Spiel vier in Bonn den Halbfinaleinzug perfekt machen.
Am Donnerstag lieferten sich die Mannschaften einen erbitterten Abnutzungskampf, in dem die spielerischen Elemente zwar fast vollständig außen vor blieben, dessen Faszination sich aber keiner 5670 Zuschauer entziehen konnte. „Es war ein sehr intensives Spiel. Ich bin froh, dass wir den Heimsieg geholt haben“, sagte ein ob des Spielverlaufs sichtlicher geschaffter Machowski: „Allerdings kann ich es kaum glauben, dass wir die Verlängerung benötigt haben.“
Tatsächlich sah es fünf Sekunden vor dem Ende der regulären Spielzeit bereits alles nach einem Sieg für Oldenburg aus. Die Gastgeber führten mit 63:61 und hatten Einwurf. Doch dann das: Adam Chubb mit dem Fehlpass, Tony Gaffney spritzt dazwischen und netzt zum 63:63 ein – den Fans stand das Entsetzen ins Gesicht geschrieben.
Als Eugene Lawrence zu Beginn der Verlängerung Bonn mit einem schwierigen Dreier in Front brachte, schien das Momentum endgültig auf Seiten der Rheinländer zu liegen. Doch die Oldenburger schlugen mit unbändigem Kampfgeist und purem Willen zurück. Auch wenn die plötzliche Unterbrechung durch die defekte Anzeigetafel nach Smeulders’ Dreier zum 72:67 die Gastgeber wieder etwas aus dem Konzept brachte, ließen sie sich den Vorsprung nicht mehr nehmen.
Damit belohnten sich die Gastgeber für ihre überragende Anfangsphase, in der sie sich wie ausgehungerte Löwen auf ihre Beute auf ihre Gegenspieler stürzten und diese schier zur Verzweiflung trieben. Es dauerte sage und schreibe 5:50 Minuten, bis Jamel McLean den Gästen mit seinen Punkten zum 2:9 das erste Erfolgserlebnis verschaffte. Die Hausherren ließen sich davon zunächst nicht beirren und bauten ihren Vorsprung auf 13:2 aus (7.).
Danach brachten die Oldenburger die Bonner durch eigene Fehler und Fouls wieder ins Spiel – und lagen auf einmal im Hintertreffen, als Gaffney Bonn erstmals in Front brachte (28:26;17.). Danach ging es rauf und runter. Bis zum Schluss – mit dem besseren Ende für Oldenburg.
