Oldenburg - Als die EWE Baskets Oldenburg Anfang März ihr Heimspiel gegen Crailsheim mit 83:57 gewannen, war dies nicht viel mehr als ein lockerer Pflichtsieg gegen einen Abstiegskandidaten. Allerdings geschah an jenem Sonnabendabend Bemerkenswertes in der großen EWE-Arena, stach in dieser Partie doch ein Basketballer hervor, der sonst eher im Schatten der Oldenburger Stars wie Rickey Paulding oder Vaughn Duggin steht.
Es war der 21-jährige Dominic Lockhart, der mit neun Punkten einen persönlichen Bundesliga-Rekord aufstellte und viele weitere auffällige Szenen hatte. „Das hat mir natürlich gut getan“, sagte Lockhart, der sich ansonsten auf seine defensiven Aufgaben im Oldenburger Spiel beschränkt. Dass er in der Lage ist, eine Mannschaft auch offensiv zu tragen, hat der Aufbauspieler schon mehrfach im ProB-Team der Oldenburger unter Beweis gestellt. Erst am vergangenen Wochenende führte er die Drittliga-Mannschaft mit einer überragenden Leistung (15 Punkte/7 Rebounds/7 Assists) zu einem Sieg im Playoff-Achtelfinale gegen Nördlingen.
Im entscheidenden Spiel um den Einzug ins Viertelfinale an diesem Sonntag (16 Uhr) im Schwabenland muss der Baskets-Unterbau jedoch ohne Lockhart auskommen, der 21-Jährige ist fast zeitgleich (17 Uhr) mit den Profis in der großen Arena gegen die Gießen 46ers gefordert. „Ich hätte den Jungs gern geholfen, aber jetzt müssen sie es eben ohne mich schaffen“, meinte Lockhart, der mit dem Bundesligateam den zehnten Sieg in Folge anpeilt.
Obwohl der 1,98 Meter große und 97 Kilogramm schwere Modellathlet seine basketballerische Ausbildung in Gießen genoss, stellt das Wiedersehen mit seinem Ex-Club für ihn keine Besonderheit dar. „Ich habe zwar noch private Kontakte nach Gießen, aus der Mannschaft oder dem Trainerstab kenne ich aber keinen mehr“, erklärt Lockhart, der von 2010 bis 2013 das Nachwuchsprogramm der Gießener durchlief.
In Oldenburg musste sich das große Talent häufig den Vorwurf gefallen lassen, zu wenig selbstbewusst zu sein, um sich in der Bundesliga durchsetzen zu können. Genervt ist Lockhart davon nicht. „Es stimmt ja, dass ich mehr an mich glauben muss“, sagt er: „Ich habe in dieser Hinsicht einen Schritt nach vorn gemacht. Irgendwann werden die Leute nicht mehr so über mich reden, weil es nicht mehr stimmt.“ Ein Satz wie ein Beweis: Lockhart hat seine Scheu abgelegt.
