Oldenburg - Als der letzte Bamberger Dreierversuch an den Ring prallte, brachen in der großen EWE-Arena alle Dämme. Die Schlusssirene ging am Sonntagnachmittag fast unter im ohrenbetäubenden Jubel der Fans über den sensationellen Pokalsieg der EWE Baskets Oldenburg.

Nachdem das 72:70 (34:34) des Basketball-Bundesligisten im Finale gegen die favorisierten Bamberger feststand, rannten Trainer, Spieler und Funktionäre aufs Parkett, fielen sich in die Arme und konnten ihr Glück kaum fassen. Philipp Neumann hatte Tränen in den Augen. „Wir standen unter so großem Druck, wir wurden in den letzten Wochen zurecht kritisiert. Die Fans haben aber immer zu uns gestanden, da tut es gut, ihnen etwas zurückzugeben“, sagte der 23-jährige Center, der im Endspiel und im Halbfinale tags zuvor gegen Bonn (77:71) eine überragende Leistung geboten hatte.

„Mir ist ein Stein in der Größe von ganz Deutschland vom Herzen gefallen. Meine Gefühle sind gerade irgendwo, aber nicht bei mir“, ergänzte der frühere Bamberger, der inmitten der Ehrenrunde bei seiner auf der Tribüne sitzenden Mutter Halt machte und sie ganz fest an sich drückte. Währenddessen sangen die völlig euphorisierten Anhänger auf der Tribüne Helene Fischers Hit „Atemlos“, der über die Lautsprecher durch die Arena hallte.

Der erste, der den Pokal im silber-blauen Lamettaregen in die Höhe recken durfte, war Kapitän Rickey Paulding. „Das ist einfach unglaublich, das war eine fantastische Mannschaftsleistung. Ich kann gar nicht beschreiben, was gerade in mir vorgeht“, sagte die 32-jährige Baskets-Legende, die seit acht Jahren in Oldenburg spielt.

Mladen Drijencic war auch einige Minuten später auf der Pressekonferenz noch sichtlich ergriffen. „Ich kann es gar nicht fassen“, meinte der Trainer, der in der Kabine bereits unverkennbar das Opfer einer Bierdusche geworden war. Das obligatorische Pokalsieger-T-Shirt war klitschnass. Der frühere Trainer der Oldenburger Drittliga-Mannschaft war erst vor drei Wochen nach der Trennung von Sebastian Machowski zum Coach des Bundesliga-Teams befördert worden und durfte nun bereits seinen ersten Titel feiern. „Das kommt mir wie ein Traum vor“, sagte der 49-jährige Deutsch-Kroate, der auch in der kommenden Saison Cheftrainer bleiben wird, wie Baskets-Chef Hermann Schüller noch auf dem Parkett verkündete. „Das ist eine große Auszeichnung, das ist unglaublich“, sagte Drijencic, dessen Kontrakt zunächst bis zum Saisonende lief.

Seine Mannschaft war furios in das Finale gestartet. Die ersten drei Dreier fielen allesamt in den Korb, nach zwei Minuten hieß es 9:2. Angetrieben vom starken Casper Ware, mit 13 Punkten am Ende bester Werfer, und getragen von der Unterstützung der Anhänger blieb Oldenburg am Drücker und erhöhte seinen Vorsprung auf acht Zähler (18:10/8.). „Wir waren geladen mit Emotionen“, erklärte Drijenic.

Im zweiten Viertel drehten die Bamberger, die im Halbfinale den Titelverteidiger Alba Berlin klar beherrscht hatten (86:65), auf. Nach einem 13:0-Lauf führten die Franken mit 30:26 (18.). Oldenburg ließ sich aber nicht abschütteln, mit 34:34 ging es in die Kabinen.

In der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein dramatischer Schlagabtausch, in dem der grippegeschwächte Adam Chubb die Hausherren zunächst mit 43:39 in Front brachte (25.). In der Folge verlor das Team den Rhythmus – als Bamberg sieben Minuten vor dem Ende mit acht Punkten vorne lag (64:56), schien der Pokal-Traum der Oldenburger in Luft aufzugehen.

Als kaum noch jemand daran glaubte, nahmen die Drijencic-Schützlinge ihr Kämpferherz in die Hand, erzielten 13 Punkte in Serie und holten so doch noch den Pott. Die Schlusssirene bildete den Auftakt zu einem Oldenburger Party-Marathon: Im Foyer der Arena ergriff Schüller das Mikrofon und rief kurzerhand Freibier für alle Fans aus. Danach erschien die Mannschaft mit dem Pokal, anschließend ging es ins Hotel Altera. „Es wird auf jeden Fall eine lange Nacht“, meinte Neumann. An diesem Montag geht es weiter: Um 13 Uhr ist ein Empfang am Rathaus geplant.