Oldenburg/Berlin - Konrad Wysocki stand 20 Minuten auf dem Parkett und erzielte dabei 14 Punkte, Robin Smeulders kam in 15 Minuten auf elf Zähler. Der Blick auf den Statistikbogen nach dem jüngsten Bundesligaspiel der EWE Baskets machte es deutlich: Deutsche Basketballer nehmen in Oldenburg wieder tragende Rollen ein.
Neben Wysocki und Smeulders (er ist in Deutschland geboren, spielt aber aufgrund einer doppelten Staatsbürgerschaft für die niederländische Nationalmannschaft) gehören in Dominik Bahiense de Mello, Jannik Freese und – mit Abstrichen – Kevin Smit drei weitere Akteure mit deutschem Pass zur festen Rotation von Trainer Sebastian Machowski. Dies war nicht immer so: Im Meisterjahr 2009 zum Beispiel schickte der damalige Coach Predrag Krunic in gleich zehn Hauptrundenspielen nicht einen einzigen Deutschen auf das Feld.
Die Entwicklung in Oldenburg taugt als Beispiel für den Aufschwung deutscher Spieler in der gesamten Liga. Bereits zum vierten Mal nacheinander steigt in dieser Saison die Einsatzzeit der Deutschen. Seit dem Fall der Ausländerbeschränkung vor der Saison 2005/06 kletterte der Anteil von mageren 17 Prozent auf nun knapp ein Drittel. Das Hoch ist eine Folge der Quote, die die Basketball-Bundesliga (BBL) vor drei Jahren eingeführt hat. Mindestens sechs deutsche Spieler müssen in dieser Spielzeit auf dem Spielberichtsbogen stehen, 2006 waren es nur zwei.
„Wir haben unser Ziel von 30 Prozent schon erreicht“, bewertet Thomas Braumann, Präsident der BBL AG, den höchsten Anteil seit Fall der Ausländerbeschränkung. „Das freut uns und zeigt, dass die Entscheidung richtig war und dass die Qualität nicht runter geht“, sagt er. Dahinter steckt eine simple Rechnung: Wenn die Zahl der Deutschen in einem Kader steigt und gleichzeitig die der Ausländer sinkt, vergrößert sich prozentual gesehen die Chance der Einheimischen auf mehr Spielzeit.
In der Breite stimmt die Tendenz positiv, in der Spitze gibt es aber noch Potenzial. Beim Punkteschnitt pro Liga-Partie folgt hinter dem jüngst eingedeutschten Bamberger Anton Gavel auf Platz sieben erst U-20-Auswahlspieler Dennis Schröder als 25. „Uns fehlen noch ein bisschen die deutschen Stars in der Liga, da haben wir viel zu wenig“, analysiert Braumann.
Wegen der geringen Zahl der Einheimischen auf Top-Niveau gelten diese als Luxusartikel. „Die Gehälter sind explodiert für deutsche Spieler. Der Artenschutz wird in gewissem Maße ausgenutzt, da müssen wir aufpassen, dass es da einen Wettbewerb gibt“, warnt Marco Baldi, Geschäftsführer von Alba Berlin.
