Herr Machowski, wie viele Anzüge besitzen Sie?

Sebastian MachowskiIch habe einen Dienstanzug für die Spiele, um mit dem Trainerteam ein einheitliches Bild abzugeben.

Es ist also immer derselbe, den Sie bei Spielen tragen?

MachowskiIm Prinzip schon.

Wird es da nicht eng, wenn viele Spiele in kurzer Zeit aufeinanderfolgen?

Machowski(lacht) Keine Sorge, ich rieche nicht pene-trant. Wenn es dann Schlag auf Schlag kommt, greife ich vornehmlich auswärts auch schon mal auf meine privaten Anzüge zurück.

Ist der Anzug eine Art Glücksbringer von Ihnen?

MachowskiNein, denn ich bin nicht abergläubisch.

In der abgelaufenen Saison hat es auch ohne Glücksbringer ganz gut geklappt, die Baskets wurden Vizemeister. Wie viel Luft ist da noch nach oben?

MachowskiBasketball ist ein Spiel der Fehler. Je weniger Fehler man macht, desto größer ist die Siegchance. Von daher gibt es für jeden Spieler immer eine Menge Steigerungspotenzial. Als Mannschaft wollen wir uns spielerisch weiterentwickeln.

Hinterfragen Sie sich selbst auch?

MachowskiNatürlich, ständig. Ein Beispiel: In der Finalserie gegen Bamberg hatten wir in jedem der drei Spiele den letzten Wurf, der zur Verlängerung oder zum Sieg hätte führen können – und haben ihn keinmal getroffen. Da stelle ich mir schon die Frage, ob ein anderes Spielsystem besser gewesen wäre, um in eine noch bessere Wurfposition zu kommen.

Nach der erfolgreichen Vorsaison ist im Umfeld die Erwartungshaltung gestiegen. Spüren Sie besonderen Druck?

Machowski Klar ist: Wir müssen uns in jedem Spiel aufs Neue beweisen. Wenn wir es wieder schaffen, attraktiven und zugleich erfolgreichen Basketball zu zeigen, haben wir viel erreicht – losgelöst von einer bestimmten Platzierung. Das ultimative Ziel ist natürlich jedem klar, aber das müssen wir nicht lauthals herausposaunen.

In München tritt man forscher auf, dort will man unbedingt den Titel holen. Packen die Bayern es?

MachowskiSie haben alle Voraussetzungen. Sie haben in Svetislav Pesic einen guten Trainer, ein großes Budget und viele Spieler geholt. Nun formulieren sie ihre Ziele auch im Basketball so offensiv wie sie es beim Fußball tun. Wir halten es da etwas anders, das ist wohl die hiesige Bescheidenheit.

Bayern hat zahlreiche Leistungsträger von anderen Bundesligisten verpflichtet. Wie beurteilen Sie das?

MachowskiDie Bayern sind mir herzlich egal, da sie nur ein Konkurrent von 17 sind. Ich bin gespannt, ob sie es schaffen, aus den vielen Stars – wenn man sie so nennen darf – ein Team zu machen.

Sind die Münchner der Top-Favorit?

MachowskiNein, das ist für mich weiterhin Bamberg.

Wird sich das schlechte Abschneiden der deutschen Nationalmannschaft bei der EM negativ auf die Liga auswirken?

MachowskiIch denke nicht. Der deutsche Basketball ist insgesamt auf einem guten Weg. Die Liga entwickelt sich strukturell und wirtschaftlich, es wird viel in die Nachwuchsarbeit investiert. Es gab in der vergangenen Saison einige junge Spieler, die auf sich aufmerksam gemacht haben – Nicolai Simon in Bayreuth oder Andi Seiferth in Trier zum Beispiel. Wenn solche Leute in der Bundesliga eine tragende Rolle spielen, wird auch die Nationalmannschaft davon profitieren.

Wann wird es den nächsten deutschen Nationalspieler aus Oldenburg geben?

MachowskiBei uns stehen ja einige im Kader, die schon mal für Deutschland gespielt haben und es jederzeit zurück ins Aufgebot schaffen könnten. Wenn man in die Zukunft schaut, fallen einem natürlich die Junioren-Nationalspieler Jan Niklas Wimberg und Lucien Schmikale ein. Beide bringen genügend Talent mit.

Ihr Vertrag bei den Baskets verlängert sich automatisch, sobald Sie in dieser Saison die Playoffs erreichen. Würden Sie sich auch gerne langfristiger binden?

Machowski Natürlich kann ich mir das vorstellen. Im Moment ist das aber kein Gesprächsthema.

Was ist mit der Nationalmannschaft? Könnten Sie sich vorstellen, eines Tages Bundestrainer zu werden?

Machowski Aktuell stellt sich die Frage nicht, weil mich die Aufgabe in Oldenburg voll und ganz ausfüllt. Zudem gibt es die in meinen Augen sinnvolle Trennung von Club- und Nationalmannschaftstrainer. Aber generell fände ich es schon reizvoll, auch mal eine Nationalmannschaft zu trainieren.

Zum aktuellen Geschehen: In der nächsten Woche beginnt die Euroleague-Qualifikation in Vilnius mit dem Spiel gegen Varese. Adam Chubb ist verletzt, Ersatz Andrea Crosariol hat erst ein paar Mal mit der Mannschaft trainiert. Mit welchen Erwartungen reisen Sie nach Litauen?

MachowskiAuch mit einem gesunden Adam wären wir kein Favorit gewesen. Daran ändert sich nichts. Uns bleibt nur die Außenseiterrolle, wir glauben aber an unsere Chancen. Wir haben uns die Teilnahme durch die Vizemeisterschaft verdient und freuen uns auf das Turnier.