Oldenburg - Mladen Drijencic hatte bereits eine ganze Menge Menschen abgeklatscht, als er an seiner auf der Tribüne sitzenden Familie vorbeikam. Da schnappte sich der Bosnier kurzerhand Sohn Luka, nahm den Filius auf den Arm und absolvierte so freudestrahlend den Rest der Ehrenrunde nach dem 77:74 (38:36)-Sieg der EWE Baskets Oldenburg im Derby gegen die Artland Dragons am Sonntagnachmittag.
Auch zwanzig Minuten später war dem 49-Jährigen die Erleichterung über den traumhaften Einstand als Cheftrainer des Basketball-Bundesligisten noch anzumerken. „Ich bin der glücklichste Mensch in der Halle“, sagte Drijencic, der Anfang der Woche die Nachfolge von Sebastian Machowski angetreten hatte. „Ich denke, wir haben das Optimale aus der Situation herausgeholt“, erklärte der vorherige Coach des Oldenburger Drittliga-Teams und lobte seine neue Mannschaft: „Ich war sehr zufrieden mit dem Einsatzwillen und der Spielfreude.“ Durch den hart erkämpften und frenetisch bejubelten Erfolg gegen Quakenbrück holten die Baskets zwei wichtige Punkte im Kampf um die Playoffs und sammelten neuen Mut für den Hauptrunden-Endspurt.
Vor 6000 Zuschauern in der ausverkauften großen EWE-Arena verzichtete Drijencic zunächst auf Aufbauspieler Casper Ware und ließ dafür Julius Jenkins von Beginn an ran. Entscheidender war jedoch, dass es dem neuen Chefcoach gelungen war, dem zuletzt arg verunsicherten Oldenburger Ensemble wieder Selbstbewusstsein und Leidenschaft einzuimpfen.
Im Gegensatz zum desaströsen 60:80 gegen Trier vor einer Woche präsentierten sich die Baskets wie ausgewechselt. Von Drijencic permanent angetrieben, warfen die Hausherren alles in die Waagschale, erkämpften sich verlorene Bälle zurück und brachten so das Publikum schnell auf ihre Seite. Als Rickey Paulding nach einer etwas zittrigen Anfangsphase das Heft in die Hand nahm und sein Team mit sieben Punkten in Folge 14:10 in Führung brachte (7. Minute), näherte sich die Stimmung zum ersten Mal dem Siedepunkt.
Hatte Drijencic seine Startformation in den ersten zehn Minuten beinahe durchspielen lassen, begann er im zweiten Viertel zu wechseln. Dies führte zu einem Bruch im Angriffsspiel – die Quakenbrücker, die auf den verletzten Aufbauspieler David Holston verzichten mussten, bissen sich zurück und gingen kurz vor der Pause mit 36:35 in Front. Chris Kramer hatte jedoch eine Antwort parat und versenkte mit der Halbzeitsirene einen Dreier zum 38:36.
In der zweiten Hälfte blieb es zunächst weiterhin eng, ehe Nemanja Alesandrov das Geschehen an sich riss. Der serbische Flügelspieler, am Ende mit 21 Punkten Topscorer, traf nun aus allen Lagen und schraubte den Vorsprung erstmals in den zweistelligen Bereich (58:47/29.).
Wie fragil das Baskets-Gebilde noch ist, zeigte sich in der Folge, als die Gastgeber die Dragons durch eigene Fehler wieder auf zwei Zähler herankommen ließen (66:64/36.). Nun hieß es Zittern bis Schluss: Quakenbrücks Antonio Graves hatte im letzten Angriff den Ausgleich in der Hand, doch sein Dreier verfehlte das Ziel – und Drijencic konnte mit seiner Ehrenrunde beginnen.
